Future Of The Left - Travels With Myself And Another - Cover
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Future Of The Left Travels With Myself And Another


  • Label: 4AD/Beggars
  • Laufzeit: 33 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Travels With Myself And Another“ ist kein schlechtes Album und schon gar keine Entäuschung geworden, dennoch steht es „Curses“ leicht nach.

Bei Betrachtung des neuen Videos der aktuellen Future-Of-The-Left-Single mag überraschend auffallen: Andy Falkous ist ganz schön alt geworden. Und immer noch weiß die breite Masse nichts von seinen Leistungen, die Messlatte des Formidablen für melodiösen Noise-Rock mit Mclusky und, jetzt, Future Of The Left beständig hoch gesetzt zu haben.

Doch wie würde Falkous mich angucken, würde er obiges lesen; um die breite Masse ist es ihm eh nie gegangen, verstanden werden wird er von ihr ferner sowieso nicht. Nach „Curses“ also, das aus der Betrauerung des überraschenden Mclusky-Splits auferstehungsgleich sich sofort mit den Perlen der Vorband „Do Dallas“ und „The Difference Between You And Me Is That I’m Not On Fire“ messen lassen konnte, wenn nicht übertraf, zwei Jahre später nun der Nachfolger eines über allen Maßen zu Recht gefeierten Debüts.

„Travels With Myself And Another“ ist kein schlechtes Album und schon gar keine Entäuschung geworden, dennoch steht es „Curses“ leicht nach. Die herrlich kakophonisch auf die Spitze getriebene Hymnik des Melodiösen im Krach steht hier ein wenig zurück, dafür aber ist Falkous steten Schrittes von einem frechen, vorlauten zu einem perfiden, lyrischen Zyniker geworden. Die Angriffsfixpunkte Katholizismus und Konsumkritik stehen den ernüchternden aber wahrhaftigen Erkenntnissen über Liebe diesmal voran: „Reimagine God as just a mental illness“ – genial. Die absurden, scharfsinnigen Texte, der tief verzerrte Groove-Bass, das aufs nötigste reduzierte Instrumentarium, das Wechselspiel aus kantig-billiger Melodie/Harmonie und zarten Hardcore-Anleihen indes bleiben Konstanten, die sich noch nicht erschöpft zu haben scheinen.

Doch erscheint die Motivierung Falkous für seine Wut ein wenig weniger verzweifelt, passend in diesem Lichte die zurückgenommenen Attacken auf das Konstrukt Liebe. Eine grausame, aber nicht neue Erkenntnis: Falkous scheint zu jenen zu gehören, die am produktivsten Schaffen, wenn es ihnen am dreckigsten geht. Was das zweite Future-Of-The-Left-Album zum Glück nicht schlecht macht: Ansatzpunkte über diese unsere Welt in Rage zu geraten gibt es genug, siehe „Arming Eritrea“ und „Lapsed Catholics“. Schön wirkt auch der leicht forciertere Keyboardgebrauch auf „Travels…“; aber richtig messen mit den Überfliegern des Erstling können sich nur der Opener, „The Hope That House Built“ und „Land Of My Formers“. Das „That Damned Fly“ einen für Falkous Verhältnisse irritierenden versöhnlichen Ton innerhalb seines Rock-Krachs anschlägt und eventueller Fingerzeig für ein beginnendes Alterswerk sein könnte, wollen wir noch nicht vorschnell überinterpretieren sondern als ambivalente Happy-Rage stehen lassen und uns vor allem über den lyrischen Fortschritt seines Zynismus freuen.

Insgesamt ein Tick weniger bissig als das Debüt also sind wir zwar zufrieden, und warten doch gleichzeitig heimlich auf den erfahrungsgemäß oftmals dritten und perfekten Anlauf von Andy Falkous mit Future Of The Left.

Anspieltipps:

  • Arming Eritrea
  • The Hope That House Built
  • That Damned Fly
  • Stand By Your Manatee
  • Land Of My Formers

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