Dream Theater - Black Clouds & Silver Linings - Cover
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Dream Theater Black Clouds & Silver Linings


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 123 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Dream Theater zeigen sich wesentlich entspannter und frischer als zuletzt.

Der Respekt vor den musikalischen Künsten aus dem Hause Dream Theater ist riesengroß. Da kann es schon mal passieren, dass der Blick auf die Realität etwas verwässert wird. Denn auf den letzten Studioalben der New Yorker war gewiss nicht alles Gold, was da vermeintlich glänzend aus den Boxen ballerte. Zuviel Bombast, zuviel Härte und zu derbe Vocals schlichen sich immer mehr in den Vordergrund und verhinderten die uneingeschränkte Langlebigkeit und Freude an Alben wie „Systematic Chaos“ (06/2007) und „Octavarium“ (06/2005). Dies wird nun auf dem neuen Werk „Black Clouds & Silver Linings“ korrigiert.

Übertriebene Thrash-Metal-Härte und das Manko einer eindimensionalen Stilistik im Songaufbau sind auf dem zehnten DT-Studioalbum passé. In die neue alte Welt von James LaBrie (Gesang), John Petrucci (Gitarre), Mike Portnoy (Drums), John Myung (Bass) und Jordan Rudess (Keyboards) kehrt die Lust an stilistisch vermischten Stücken mit deutlich mehr Atmosphäre und der Betonung auf Rock und nicht Metal zurück. Das Ergebnis klingt daraufhin nicht mehr wie am Reißbrett entworfen, sondern frisch und verspielt mit Tendenzen in Richtung 70er-Jahre-Prog.

Durch die zurückgenommene Härte entstand auch plötzlich wieder viel mehr Raum für eingängige Melodien, was auch die Plattenfirma freuen dürfte. Denn so besteht die Chance einer Singleauskopplung, die auch irgendwo im Mainstream-Radio/TV gespielt wird. Aber so leicht machen es Dream Theater dem Hörer natürlich nicht. Als Opener muss erst mal das 16-minütige „A nightmare to remember“ bezwungen werden, das thematisch einen Autounfall während der Kindheit von John Petrucci aufarbeitet. Entsprechend düster beginnt „Black Clouds & Silver Linings“ mit Regen und Gewitter, in das sich langsam flirrende Keyboards und dickes Double-Bass-Bollern mischen, bevor James LaBrie und eine wildgewordene E-Gitarre in das Geschehen einsteigen. Es entwickelt sich ein von diversen Breaks und Tempowechseln geprägter Prog-Monolith, der alle Stärken von Dream Theater vereint, im Mittelteil aber auch einen abstoßenden Saitenwichser-Frickelpart ausrollt.

Auch „A rite of passage“ startet düster als Stakkato-Riffer, der allerdings mit einem überraschend eingängigen Refrain und einem göttlichen Gitarrensolo im Mittelpart ausgestattet ist. Das folgende „Wither“ ist Top-Kandidat für eine Singleauskopplung. Die episch aufgebaute 5½-Minuten-Ballade fährt einen galaktischen Breitwandsound auf, zu dem sich eine Gänsehautmelodie und ein Brian-May-artiges Gitarrensolo gesellt. Mehr in Richtung Heavy Metal geht die Reise im 13-minütigen „The shattered fortress“. Der letzte Teil von Mike Portnoys Auseinandersetzung mit seiner Alkoholsucht kommt als schneller Groover mit tiefergestimmter Gitarre und aggressiven Vocals daher, von dem sich der Hörer im balladesken „The best of times“ erholen kann. Sanfte Piano-, Streicher- und Akustikgitarrenklänge liefern einen unglaublich traurigen Einstieg, der nach drei Minuten von einer Wall of Sound erster Güte überfahren wird. Das Schöne daran: Die Melodieverliebtheit nimmt dabei nicht ab und mit dem einsetzenden Gesang ist ein neuer massentauglicher Dream-Theater-Klassiker geboren. Allein dieser Song rechtfertigt den Kauf dieses Albums!

Als Rausschmeißer des regulären Teils von „Black Clouds & Silver Linings“ wird noch mal 19 Minuten lang auf Dicke-Prog-Hose gemacht („The count of Tuscany“), bevor die Bonus-Sektion mit sechs Coverversionen beginnt. Hierfür haben sich Dream Theater ein paar echte Schmankerl ausgesucht. So werden u.a. die großartigen Rainbow auf ebenso großartige Weise nachgespielt („Stargazer“) wie die guten alten Queen mit einem Früh-70er-Jahre-Medley („Tenement funster/Flick of the wrist/Lily of the valley“) und die Kollegen von Iron Maiden („To tame a land“).

Boni dieser Art sind wirklich eine feine Zugabe zu einem eh schon sehr guten Album, auf dem sich Dream Theater nicht runderneuert, aber wesentlich entspannter und frischer zeigen als zuletzt.

Anspieltipps:

  • Wither
  • A rite of passage
  • The best of times
  • The shattered fortress

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