The Mars Volta - Octahedron - Cover
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The Mars Volta Octahedron


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die texanischen Prog-Rock-wir-packen-auch-wirklich-jede-vorstellbare-Rhythmusstruktur-in-einen-Song-Spezialisten von „The Mars Volta“ haben etwa anderthalb Jahre nach ihrem noch immer schwer im Ohr liegenden „The Bedlam In Goliath“ eine kleine Überraschung für alle ihre verkopften, musikalischen Experimenten-Jünger parat.

„Octahedron“ ist so was wie die Spülmaschine für eine fünfköpfige Studenten-WG: es erleichtert einiges. Rodriguez-Lopes und Bixler Zavala verzichten diesmal größtenteils auf ihre monströsen Liedkonstruktionen, die verzwickten, akustischen Umgehungsstrassen und musizieren sich quasi im Schongang über einen unerwartet gefassten und eingängigen Spülgang in des Hörers Trommelfell. Für eine Band die ihre vorherigen Langspieler jeweils auf etwa 75 Minuten gestreckt hat, ist eine Platte, die nicht einmal die Stundenmarke knackt eigentlich schon ein gewaltiger Stilbruch. Bereits der Einstieg in das neue Werk „Since We’ve Been Wrong“ erinnert stark an akustische Ruhetretetermucke Marke „Led Zeppelin“, was ja nicht unbedingt als negativ zu bewerten ist. Balladesk und für „The Mars Volta“ eine Sensation: Man braucht keine 124 Hördurchläufe um in den Song zu kommen und auch das pompöse Finale des ersten Tracks hat es durchaus in sich.

Auf „Teflon“ und „Halo Of Nembutals“ gibt es aber dann doch noch gewohnte Hi(r)nwendungs-Tendenzen um die Ohren geschmettert. Soundtechnisch dezent, aber noch am ehesten an Vergangenem orientiert. Und „Cotopaxi“ haut dann noch einmal richtig in die hypnotische Chaos-Kerbe der hier meist gezähmten Prog-Rocker. Dennoch umschwirrt alle Songs eine gewisse Atmosphäre, die in jedem Takt zu klingen scheint: Lass mich rein! Das von der Band als akustisches Album bezeichnete, ist trotzdem kein akustisches. Aber diejenigen die schon immer auf die ruhigen, sphärisch-dichten Elemente im Sound von The Mars Volta Wert gelegt haben, werden hiermit ihre wahre Freude haben. Und auch die wilden, taktbesessenen Spielereien, mit experimentellen Gitarrensoli und verdrehten Strukturen finden durchaus ihren verdienten Platz auf dieser Platte- wenn auch nicht so ausgiebig wie gewohnt.

Es bleibt abzuwarten wie die Musikprofessoren der Voltaniergemeinschaft „Octahedron“ annehmen werden. Wahrscheinlich werden sie sich aufgrund der für „The Mars Volta“-Verhältnisse, in Lichtgeschwindigkeit ablaufenden Spieldauer der Platte erst einmal die obligatorischen Ohrstöpsel aus den Gehörwindungen drehen. Abgesehen davon hat die Band bestimmt einige Zuhörer mehr auf ihre Seite gespielt, während es für die Ur-Fans wahrscheinlich dann doch zu leicht zu durchhören sein wird.

Anspieltipps:

  • Since We’ve Been Wrong
  • Cotopax!
  • Desperate Graves

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