Tortoise - Beacons Of Ancestorship - Cover
Große Ansicht

Tortoise Beacons Of Ancestorship


  • Label: Thrill Jockey/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer gern auf Entdeckungsreisen geht, der darf sich über ein starkes „Beacons Of Ancestorship freuen!

In Chicago Ende der Achtziger von John Herndon sowie Douglas McCombs gegründet und Anfang der Neunziger schließlich in Tortoise umbenannt, ist die Instrumentalband seit ihrem Bestehen prägend für so manche Formation, die ihren Ursprung zwar im Indie-Rock oder Punk sieht, dabei aber collagenartig Stile wie Jazz, Electro und Dub mit verarbeitet. Das nannte man vor gut 15 Jahren Postrock, weil es die gängigen Strukturen von Rockmusik aufbrach, mittlerweile doch aber eher zu einem Klischee geworden ist, welches sich tränenreich in mitunter restlos unspannenden Laut/Leise-Thematiken suhlt. Von Wiederholungen und Genres folgenden 08/15-Strukturen sind Tortoise auch auf ihrem sechsten Studioalbum „Beacons Of Ancestorship“ erfreulich weit entfernt. In den fünf Jahren seit ihrem letzten Werk „It´s All Around You“ widmeten sich die Amerikaner Nebenprojekten und brachten eben auch ein wunderbares Cover-Album mit Bonnie ´Prince´ Billy auf den Markt, „The Brave And The Bold“ aus 2006.

Als hätten sie ihr manchmal schwer zu fassendes Wesen namens Tortoise zwischendurch in den Schlaf befördert, ohne auch nur einen Hauch von Auflösungserscheinungen aufkommen zu lassen und stattdessen alle Kräfte zu bündeln, die ein gutes Tortoise-Album ausmachen. „Beacons Of Ancestorship“ ist jedenfalls ein überaus lebendiges Wesen, das vergnügt durch vielfältige Ansätze an Größe gewinnt, doch immer auf den Punkt kommt, will meinen: Variantenreich, aber dem roten Faden folgend, wenn man das bei der US-Formation überhaupt so schlicht sagen kann.

Der Opener „High Class Slim Came Floatin' In“ ist mit seinen acht Minuten auf den ersten Blick noch recht monströs, entfaltet sich aber mit einer Leichtigkeit, die sich aus atmosphärisch dichten Synthesizersounds und vertracktem, jedoch tanzbar beschwingtem Drumming ergibt. Teilweise im Breakbeat in organischem Gewand beheimatet, swingt man sich durch diese psychedelische Offenbarung, die mit Up-Tempo zum Ende noch einmal richtig Fahrt aufnimmt.

„Northern Something“ steht gar dem Dancehall nahe, die Loops lassen kurzzeitig an Seeed denken, doch die scheppernden Schlagzeug-Elemente geben dem Song den Lofi-Touch zurück, der südamerikanisch in die Beine geht. Orientalische Beigaben runden „Gigantes“ ab, das erneut mit energetischer Rhythmik die Percussions in ein faszinierendes Licht stellt und deutlich werden lässt, wie wichtig das Gerüst aus Schlagzeug und Bass für Tortoise ist, welches oft im Jazz mündet, dabei aber grundlegend zwingend den Hörer mitreißt, um schließlich durch Synthesizer und folkloristisch lockere Elemente die Dringlichkeit nochmals zu erhöhen. Ein perfektes Album für die Sommertage, mit kopflastigen Arrangements, die sich so gar nicht kopflastig anfühlen und auch noch an einigen Stellen wunderbar zum Tanzen anregen. Wer gern auf Entdeckungsreisen geht, Genre-Vielfalt offen gegenüber steht und noch dazu höchst eingängige Elemente nicht vermissen möchte, der darf sich über ein starkes „Beacons Of Ancestorship freuen!

Anspieltipps:

  • High Class Slim Came Floatin' In
  • Northern Something
  • Gigantes
  • The Fall Of Seven Diamonds Plus One

Neue Kritiken im Genre „Art-Rock“
7.5/10

Is This The Life We Really Want?
  • 2017    
6.5/10

The Lover, The Stars & The Citadel
  • 2016    
7.5/10

Stand Up (The Elevated Edition)
  • 2016    
Diskutiere über „Tortoise“
comments powered by Disqus