Mariahilff - Mariahilff - Cover
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Mariahilff Mariahilff


  • Label: Roof Music/INDIGO
  • Laufzeit: 56 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Mariahilff debütieren der Schauspieler Lars Rudolph (u.a. „Mein Führer“ sowie „Neues vom Wixxer“) und eine so genannte Splittergruppe, bestehend aus Herman Herrmann (Ex-Lassie Singers), Boris Joens, Ole Wulfers und Ronald Gonko mit dem selbstbetitelten Album. Es bietet eine ungewöhnliche Mixtur aus heimeliger Folklore, die genau so gut in den 20´er Jahren stattgefunden haben könnte und punkigem Frohmut, der nicht selten in Sozialutopien und Herzschmerz mündet. Das Feuilleton geht zumindest schon einmal steil und bezeichnet Mariahilff als „Tango für die Apokalypse, in dem man Grenzgänger wie Kinski, Lindenberg und Helge Schneider sieht“ (Tagesspiegel), während die Leipziger Volkszeitung eher Tom Waits und Element of Crime als Vergleiche bemüht.

Vollgepackt mit streunerischem Instrumentarium aus Trompete, Mandoline, Gitarre, Singender Säge und Bass rumpeln sich Mariahilff tatsächlich gut gelaunt in den Abgrund, der da textlich das ein oder andere Mal mit revoluzzerhaftem Aufbruch einhergeht. Eine omnipräsente Sperrigkeit zieht sich durch die gute Stunde des Longplayers, ob nun dank des kratzigen Gesangs von Lars Rudolph oder der wild durcheinander gewürfelten, dominierenden Saiteninstrumente, und beugt damit einer Beliebigkeit vor, welche man noch verspürt, wenn man die Texte außen vor lässt. Man kann sich andererseits noch so sehr mit der lyrischen Seite beschäftigen und kommt immer wieder zu dem Entschluss, dass das Gesamtwerk deutlich näher am Theater dran ist als an der Musik. In der reinen Umsetzung als Konserve ist es lediglich nett, mal etwas anderes, aber doch ziellos und vor allem zweischneidig.

Lieder wie „Vampir“ zünden mit Jazz-Einschlag und psychedelisch verstörendem Ende, während der langsam dahin siechende Abgesang mit dem Titel „Engel“ unglücklich Trauer und seichte Tokio Hotel-Texte verbindet, was dann doch die Toleranzgrenze überspannt. Auf den Theaterbühnen kann das funktionieren, auf einem Longplayer reicht es nur für das Prädikat „speziell“. Das gilt dann auch für das gesamte Album, welches aufgesetzt künstlerisch wirkt, die Ambitionen eines Lars Rudolph in Frage stellt, im musikalischen Bereich zu punkten, doch zumindest den Exotenbonus beheimatet und an manchen Stellen aufhorchen lässt. Zweischneidig eben, aber definitiv übers Ziel hinaus.

Anspieltipps:

  • Vampir
  • Engel
  • Massen
  • Coconeese

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