Ashley Tisdale - Guilty Pleasure - Cover
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Ashley Tisdale Guilty Pleasure


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Als einer der best verdienendsten Teenager Hollywoods muss man sich über Erfolg oder Niederlage wohl kaum Gedanken machen. Promo-Auftritte werden nach kürzester Zeit souverän im Halbschlaf abgewickelt und die eigene Meinung wird vor Interviews bis ins kleinste Detail abgestimmt. Umso verwunderlicher ist es, dass Ashley Tisdale, die vor allem durch ihre Rolle als Sharpay Evans im High School Musical, das sich mittlerweile zum millionenschweren Selbstläufer im Katalog des Disney Konzerns gemausert hat, international bekannt geworden ist, versucht als unverfälschte Persönlichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Selbst wenn der Wahrheitsgehalt hinter diversen Aussagen nicht vollständig auf ihrem Mist gewachsen scheint, kauft man der bereits 23-jährigen ihren Wandel vom umher hüpfenden Disney-Püppchen zur gereiften Frau durchaus ab.

In musikalischer Hinsicht bedeutet das schlussendlich nichts anderes als vom Teenie Dance/Pop einer Britney Spears Abstand zu nehmen und sich den ehrlichen und geerdeten Gefilden des Rock zuzuwenden. Ungeachtet dessen, dass dieser Schritt letztendlich nur halb so spannend ausfällt wie erwartet, muss Miss Tisdale neidlos anerkannt werden, die verzogene Rockgöre an den richtigen Stellen überzeugend darzubieten. Dumm nur, dass „Guilty pleasure“ gegengleich zu ihrer Performance kurz vor der Halbzeit die Luft ausgeht und dem Hörer halbgare Durchschnittsware vorgesetzt wird, die kaum an die angestrebten Vorbilder wie Kelly Clarkson, Katy Perry oder Ashlee Simpson heranreicht. Da hilft dann auch kein komplettes Arsenal der üblich zu verdächtigenden Songschreiber (z.B. Kara DioGuardi (Kelly Clarkson, Carrie Underwood), Toby Gad (Beyoncé, Fergie), Billy Steinberg (Madonna)) und mehr als ein paar nette Ohrwürmer für Zwischendurch kommen dabei nicht heraus.

Würde das zwar noch für ein okay gehendes Sommeralbum reichen, vermasselt die unausgeglichene Abmischung eine positive Bilanz und „Guilty pleasure“ darf sich rühmen einige der am schlechtesten produzierten Pop-Songs der letzten Zeit an Bord zu haben. Sicherlich muss Ashley mit ihrer Stimme nicht immer im Mittelpunkt stehen und der eine oder andere räumliche Effekt („Masquerade“) ist von daher nicht gleich als schlecht einzustufen, aber von einer Majorlabel-Produktion (in diesem Falle Warner Bros.) darf zumindest erwartet werden, dass die einzelnen Songs egal in welcher Umgebung ordentlich Druck erzeugen und nicht ab einem gewissen Lautstärkepegel in undefinierbaren Soundmatsch ausarten. Schließlich war das bei „Headstrong“ (11/2007), Tisdales Debüt, ja auch möglich.

Sind „Acting out“ oder „Overrated” also noch Paradebeispiele für kristallklares Vergnügen, bei denen sowohl das Rockmuster als auch die elektronische Ader stets ins rechte Licht gerückt werden, ist „It´s alright, it´s ok“ ein Kandidat zum Weiterschalten, da die fetzige Feelgood-Nummer je lauter sie gedreht wird an lästigen Höhen zunimmt, die kaum zu ertragen sind. Zu Tode produziert präsentieren sich außerdem „Hot mess“, „Erase and rewind“ und „Delete you“, bei denen die Grundidee zwar ganz nett wäre, aber die abgeschliffenen Ecken und Kanten, sowie die fehlende Prise Pfeffer im Klangbild, die Songs zugrunde richten und in Monotonie ausbrechen lassen. Abgesehen von diesen unmissverständlichen Patzern offeriert Ashley noch die zwei Powerballaden „What if“ und „Me without you“, die dem Kanon der radiotauglichen Schmalz- und Kitschgebärden nichts Neues hinzufügen, sowie einige unentschlossene Mitläufer der Marke Pussycat Dolls und Konsorten („Crank it up“, „Hair“), obwohl diese an anderer Stelle wesentlich schlüpfriger intoniert worden wären und ebenso hinter ihren Möglichkeiten bleiben.

Dadurch hinterlässt „Guilty pleasure“ einen zwiespältigen Eindruck, mit dem sich die 23-jährige auf jeden Fall unter Wert verkauft. Einerseits regen die rockigen Nummern zum lauter drehen an und versprühen ein charmant-überzeugendes Pop-Feeling, doch andererseits kommt man bei gut der Hälfte der Songs nicht aus dem Kopfschütteln heraus, da deren Hittauglichkeit scheinbar mit dem Vorschlaghammer eingebläut werden sollte. Für ein drittes Solowerk wünschen wir uns also nicht nur die rockige Ashley, sondern auch eine überzeugende Produktion. Dürfte doch nicht allzu schwer sein, oder?

Anspieltipps:

  • Overrated
  • Acting Out
  • Masquerade

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