Europe - Last Look At Eden - Cover
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Europe Last Look At Eden


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Last look at Eden“ versetzt dem Hörer zwar keinen Schlag in die Magengrube, aber im nächsten Jahrzehnt dürfen die Herrschaften auf diesem Level gerne zurückkehren.

Als Joey Tempest (Gesang) und John Norum (Gitarre) 1979 Force gründeten, war die Hardrock-Truppe noch eine Band unter ganz vielen. Zwar brachte der Wechsel des Bandnamens in Europe drei Jahre später nicht sofort den erhofften kommerziellen Durchbruch, doch das sollte ohnehin die 1986-er Scheibe „The final countdown“ mit dem weltbekannten Überhit gleichen Namens besorgen und die Schweden waren plötzlich überall auf der Welt die Nummer 1 in den Charts und mauserten sich zu einem der umsatzträchtigsten Rockacts der 80er Jahre. Der Sprung in die nächste Dekade verlief weniger glänzend und nach der Platte „Prisoners of paradise“ (09/1991) war vorerst Schluss, bis Tempest und Norum 2003 mit John Levin (Bass), Mic Michaeli (Keyboard) und Ian Haugland (Schlagzeug) eine fixe Besetzung zusammen trommelten und mit „Start from the dark“ (09/2004) einem Paukenschlag gleich wieder in der Rockszene auftauchten und zwölf Songs vorlegten, die nicht nur auf der Höhe der Zeit waren, sondern auch mit düsterer Stimmung einen ganz anderen Weg einschlugen als vorangegangene Werke.

„Secret society“ (10/2006) bestätigte den positiven Eindruck durch eine starke Vorstellung ohne nennenswerte Ausfälle und mit „Last look at Eden“ will der Fünfer seinen jahrelangen Fans nun ein ganz großes Geschenk machen, nämlich die Melodieseligkeit und positive Attitüde der frühen Diskographie mit dem dunkleren Ambiente und knackigerem Klangbild der zwei Alben der 00er Jahre kreuzen. Wird dem epischen „Prelude“ gelauscht, welches als roter Teppich für den unverschämt guten Titeltrack ausgerollt wird, der bereits auf der gleichnamigen EP (06/2009) zu hören war, dann dürften kaum Zweifel am Gelingen dieses Vorhabens bestehen, ist die Nummer aus wuchtiger Orchestrierung und kräftig rockendem Unterbau schließlich der perfekte Start für eine weitere grandiose Platte aus dem Hause Europe. Das recht kurzweilige „Gonna get ready“ und die bluesgetränkte Nummer „Catch that plane“ bilden anschließend zwei ordentliche Songs, bleiben aber im Vergleich zu den nachfolgenden Stücken etwas blass.

Erst die Umarmung des Pop in der Powerballade „New love in town“, die zwei groovenden Rocker „The beast“ und „Mojito girl“, sowie kurze Flirts mit dem Keyboard oder omnipräsenten Streichern in „No stone unturned“ sorgen für einen abwechslungsreichen und makellosen Mittelteil, der vor allem wegen des zeitlosen Anstrichs selbst nach mehreren Durchläufen seinen Reiz behält. Leider verlassen Europe gegen Ende wieder die Rock-Oberliga und begnügen sich mit den leicht überdurchschnittlichen Tracks „Only young twice“, „U devil u“ und „Run with the angels“, die trotzdem wegen der ungezügelten Spielfreude der anderen Mitglieder an eine weniger zugekiffte Version von Led Zeppelin erinnern und einen gewissen Charme versprühen. Als Rausschmeißer gibt es noch „In my time“, das mit allen Mitteln versucht an Feuerzeugballaden wie „Carrie“, „Dreamer“ oder „Open your heart“ anzuschließen, aber außer einem langen, emotional dargebrachten Solo von Norum im Schlussteil zu konstruiert wirkt. So versetzen die Schweden mit „Last look at Eden“ dem Hörer zwar keinen Schlag in die Magengrube, aber im nächsten Jahrzehnt dürfen die Herrschaften auf diesem Level gerne zurückkehren.

Anspieltipps:

  • The Beast
  • Mojito Girl
  • Last Look At Eden
  • No Stone Unturned
  • New Love In Town

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