Suicide Silence - No Time To Bleed - Cover
Große Ansicht

Suicide Silence No Time To Bleed


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Einstieg auf Platz 94 in den US Billboard Charts mit dem Debütalbum „The Cleansing“ lässt keinen Zweifel: Suicide Silence (Suicide: joa; Silence: hell no!) sind als Newcomer in der modernen Metalszene echte Senkrechtstarter. Die fünf Kalifornier spielen den Mix aus Death Metal, Hardcore und Grindcore, den man gemeinhin als Deathcore bezeichnet. Beim nun vorliegenden Zweitwerk „No Time To Bleed“ saß Produzent „Machine“ (Lamb Of God, Bloodsimple) an den Reglern und kreierte einen überaus fetten Sound. Da kann doch eigentlich fast nichts mehr schief gehen. Fast. Das Problem ist: Wenn man nicht mit ganzem Herzen auf der brutalen Schiene fährt, ist man beim Konsum des Albums recht schnell satt, noch lange bevor der letzte Titel ausklingt.

Wie ein bissiger Hund springt einem das Album regelrecht an die Gurgel und rüttelt kräftig. Beim ersten Hören walzen die elf Tracks nur so über einen hinweg. Leider ist man aber auch nach dem dritten Durchgang nicht wirklich schlauer. Eingeläutet wird ohne Intro passenderweise mit einem Song namens „Wake Up“. Wer bei diesem Weckruf nicht senkrecht im Bett steht, ist im Schlaf gestorben. Hier zeigt die Band gleich zu Beginn, über welch mächtige Energie sie verfügt. Dafür ist nach zwei Minuten die Luft raus (Gesamtlaufzeit: 3:48). Nach dem verhältnismäßig gediegenen „Lifted“ ist „Smoke“ dann das pure Ausrasten in technischer Präzision. In diesem Stil geht es dann auch weiter. „No Time To Bleed“ ist jedoch ein nicht ganz treffender Albumtitel. Bei „Wasted“ hat man nämlich einige Zeit, das von den vorigen Tracks hervorgerufene Ohrenblut laufen zu lassen, ohne alles wieder zurückgepumpt zu bekommen, da der Track nur aus einer Aufnahme einer hysterischen Frauenstimme und einer antwortenden Männerstimme besteht, wie ein Mitschnitt aus der Notrufzentrale. Untermalt wird der kaum verständliche Dialog durch beklemmend anmutendes Geklimper der Band. Hätte man sich schenken können. „Wasted“ ist in diesem Fall die Zeit des Hörers. Drei weitere Todestiraden namens „Your Creations“, „Genocide“ und „Disengage“ folgen, bis man wieder nach Luft schnappen darf.

Ein Breakdown jagt den nächsten, alle paar Sekunden schlägt der Rhythmus schonungslos um, vereinzelt werden halbherzig wirkende Gitarrensoli zwischengestreut. Hohes Potential haben die Instrumentalisten zweifelsohne. Hauptgrund für den erhöhten Stellenwert von Suicide Silence neben den zahlreichen anderen Deathcore Bands ist aber der Shouter Mitch Lucker. Das Selbstbewusstsein, mit dem er auf den Bandfotos seinen kreuz und quer tätowierten Körper präsentiert, kann der Brüllaffe sich durchaus leisten, denn sein Organ bringt Töne heraus, die technisch präzise, variabel und so kraftstrotzend sind, dass er Schreihälse wie jenen von Bring Me The Horizon locker in die Tasche steckt. Hohes Kreischen wechselt sich mit ebenso druckvollem Growling ab, was am Ende von Titeltrack „No Time To Bleed“ am wirkungsvollsten eingesetzt wird. Man darf sogar behaupten, dass Lucker in seinem Genre ganz weit oben mitspielt.

Das hilft aber alles nichts, da das kompromisslose Geknüppel der Band, sei es auch noch so gut produziert, nicht lange spannend bleibt. Abwechslung ist in „No Time To Bleed“ nicht wirklich erkennbar. Von der Kreativität der letzten All Shall Perish Platte „Awaken The Dreamers“, auch im Deathcore zu Hause, sind Suicide Silence meilenweit entfernt. Musikalisch wissen Suicide Silence (diesen Bandnamen aus Gründen politischer Korrektheit bitte lieber nicht abkürzen) durchaus zu beeindrucken. Ihr recht festgefahrenes Konzept ist für ein ganzes Album aber einfach zu fade. Wäre das Album als EP dahergekommen und nach fünf Liedern beendet gewesen, wäre die Wertung höher ausgefallen. Die Myspace-Kids mit schwarzgefärbten Haaren, die immer auf der Suche nach der nächsthärteren Band sind, oder generell Deathcore-Fans, die keine Genre-Revolution erwarten, dürfen bei Suicide-Silence-Alben hingegen bedenkenlos zugreifen. (Irgendwie muss sich der Charterfolg der ersten Scheibe ja auch begründen.) Immerhin klingen die stillen Selbstmörder frischer als Job For A Cowboy und Despiced Icon, und haben zumindest vocal-technisch mehr zu bieten als die zeitgleich auf der Bildfläche erschienenen Kollegen von Whitechapel, nur ist ihr Stil im Albumformat einfach zu unzugänglich. Da fehlen noch ein paar Ideen um die vielen Tracks zu rechtfertigen, zumal in den letzten Jahren mehr als genug Deathcore-Bands aufgetaucht sind.

Anspieltipps:

  • Smoke
  • No Time To Bleed

Neue Kritiken im Genre „Death Metal“
Diskutiere über „Suicide Silence“
comments powered by Disqus