Killswitch Engage - Killswitch Engage - Cover
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Killswitch Engage Killswitch Engage


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach einem mehr als glorreichen Triumphzug bis hin zur Grammy Nominierung präsentieren die Metalcore-Götter von Killswitch Engage nun eine Platte mit einer komischen Wildkatze und vereinfachtem Bandlogo vorne drauf. Einen Albumnamen scheint es nicht zu geben; man nahm aufgrund von Entscheidungsschwierigkeiten den Bandnamen als Titel. Und das, wo doch schon die erste Veröffentlichung der Band (2000) selbstbetitelt war. Unbehagen macht sich da bei dem Fan breit. Ist nach den einander recht ähnlichen Krachern „The End Of Heartache“ (2004) und „As Daylight Dies“ (2006) die Luft raus?

Nein! Viel mehr fangen Adam, Howard, Mike, Joel und Justin von einem neuen Punkt aus von vorne an, getreu dem zweiten Song des Albums, „Starting Over“. Die musikalische Entwicklung vom letzten zum derzeitigen Album ist deutlich größer als jene von „The End Of Heartache“ zu „As Daylight Dies“. Verändertes Songwriting und ein neuer Produzent sind wohl gleichermaßen dafür verantwortlich. Neben dem hauseigenen Gitarristen Adam D., der bei allen bisherigen KsE-Alben im Alleingang die Regler bediente (und dabei stets gute Arbeit leistete), holte man sich diesmal noch Producer-Legende Brendan O’Brien (Bruce Springsteen, AC/DC) mit ins Boot. Ohne um den heißen Brei herum zu reden, Folgendes kam dabei heraus: Der Sound hält auf faszinierende Weise die Waage zwischen Garagen-Charme und Hochglanz, wobei ein besonderer Pluspunkt an die starken Drums geht (Höhepunkt: „Reckoning“). Backing Vocals von Adam Dutkiewicz fallen komplett weg. Schade eigentlich. Howard Jones‘ Stimme ist mehr in die Instrumente eingebettet als zuvor, wobei sich der Herr natürlich keineswegs zu verstecken braucht. Sein souliges Goldkehlchen kommt diesmal übrigens deutlich öfter zum Einsatz als die kräftigen Schreie.

Insgesamt ist das neue Album der fünf Jungs aus Massachusetts sehr melodiös und weniger wild ausgefallen. Doch entgegen vieler Vorwürfe muss man Killswitch Engage im Hinblick auf ihr aktuellstes Werk nicht nachsagen, dass sie in Richtung Charts, Teenies und Radio schielen, sondern eher, dass die Band unbeschwert neue Klänge ausprobiert und verstärkte Old-School-Heavy-Metal-Einflüsse an den Tag legt. Den Spaß, den die Jungs beim Einspielen des Dio-Covers “Holy Diver” für die Special Edition von „As Daylight Dies“ hatten, kosten sie auch auf „Killswitch Engage“ aus. Heroische Heavy Metal Riffs der alten Schule finden vor allem in „The Forgotten“ und „A Light In A Darkened World“ ihren Platz und funktionieren wohlgemerkt wunderbar.

Die langsamen bzw. balladesken Stücke („The Return“, „Lost“) haben leider keinen Hitcharakter wie ein “The End Of Heartache” oder “The Arms Of Sorrow”. Stattdessen sind einige Songs gefährlich nah daran, einfach nur vor sich hin zu plätschern, zumindest anfänglich. Es sind schon einige Hördurchgänge von Nöten, um sich mit dem Album anzufreunden und es wachsen zu lassen. Doch dafür zeugt „Killswitch Engage“ von einer gewissen subtilen Gemütlichkeit. Man hört dieser zweiten selbstbetitelten Scheibe einfach an, dass dahinter eine Band steckt, die sich nichts mehr beweisen muss, locker flockig herumexperimentiert, aber das Endprodukt sorgfältig ausarbeitet. Den altbekannten KsE-Sound hört man natürlich dennoch oft genug heraus, zumindest den der Howard-Jones-Ära, denn die gesellschaftskritischen Zeiten des monströsen „Alive Or Just Breathing“ (2002) sind endgültig begraben.

Die ungewohnte Weiterentwicklung stellt sich im Hinblick auf die zwei einander sehr ähnlichen Vorgängeralben als nötig heraus und sollte den Fans nach einer gewissen Beschäftigungszeit durchaus zusagen. Wenn Killswitch Engage sich dazu entscheiden, ein etwas gediegeneres Album zu machen, dann wirkt das Endprodukt nicht einfach nur süßlich, sondern erwachsen, und das zeichnet sie aus. Nicht umsonst gelten Killswitch Engage als die unumstrittenen Chefs des Metalcore, wobei sie die Grenzen des Genres mittlerweile gesprengt haben.

Anspieltipps:

  • Starting Over
  • The Forgotten
  • A Light In A Darkened World
  • Reckoning

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