Gemma Ray - Lights Out Zoltar! - Cover
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Gemma Ray Lights Out Zoltar!


  • Label: Bronzerat Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemma Ray hat schon wieder ein tolles Album abgeliefert, das vielen Hörern Freude an der Musik machen sollte.

Wenn das mal kein Eiltempo ist! Vor nicht einmal acht Monaten erschien hierzulande das Debüt der Songwriterin Gemma Ray. Der Stil, den die junge Frau, fabrizierte war eine wahre Ohrenweide, ist die Mischung aus Noir und Sixties doch eigentlich seit Lee Hazlewood mehr oder weniger ausgestorben. Nicht zuletzt eine Amy Winehouse (die von den britischen Medien oft und gerne als (ausschließlich) musikalische Parallele zitiert wird) zeigte, dass die alte Schule wieder „in“ ist. Nachdem das Debüt „The Leader“ jedoch eher düster und introvertiert geraten ist, wollte die junge Frau ihr zweites Album fröhlicher gestalten, was sich als Herkulesakt herausstellt bei diesem Musikstil, welchem sie sich nun einmal bedient.

Schnell beweist Gemma allerdings ihr Musikgespür, wenn schon die ersten Klänge des Openers „100mph (in 2nd Gear)“ eine beschwingte Stimmung angeben. Dagegen stehen natürlich die hauchende, tiefe Stimme und die mysteriöse Stimmung ihres Genres. Allerdings enthält sich auch eine Mrs Ray nicht der Lebensfreude, wenn im Refrain die Stimme in die Höhe gepeitscht wird und die Melodie immer mehr auch auf die sonst so introvertierte Stimme übergeht. Gleich wenn die belebte Stimmung angekommen ist, wird sie allerdings wieder vom überaus psychedelisch angehauchten „Snuck A Peek“ verdrängt. Atmosphärisch ist dieses Stück ganz große Klasse, nur entbehrt es sich dafür der Songfrische. Man kann nun mal nicht alles haben und als hätte die Sängerin die leise Kritik am Programm gehört, ertönt mit „Tough Luck“ wieder bluesige Feel-Good-Musik. Das anschließende „Fist Of A Flower“ findet sogar schon beinahe den perfekten Mittelweg aus Noir und Sommerbrise.

Das erste Drittel knüpft also durchaus auch in Sachen Qualität des Debüts an, ohne wirklich gleich zu klingen, da die Stimmung heller scheint, wenngleich der dunkle und mitunter wirklich erotische und sexy Unterton stets erhalten bleibt. Spätestens das Duett „1952“ überzeugt mit einer Gitarre, die in Sachen Ambiente Portishead gleichkommt und eine verwegene Ausstrahlung hat. Spätestens wenn Gemma ein paar Zeilen auf Französisch säuselt erliegen ihr wohl die meisten Ohren. Die verführerische Schwere bleibt auch im nächsten Teilduett erhalten und wenn die Boxen zu schmelzen scheinen, keine Angst: so weit ist es zum Glück noch nicht. Wenngleich Gemma Ray nun wohl genug gute Laune geliefert hat und sich nun wieder auf den Stil des letzten Albums konzentriert. Zwar wirkt ein „Goody Hoo“ durch einige Details verspielt, doch die misanthropischen Streicher und der typische Gesang der Britin machen das wieder wett.

Sich der Grundidee des Albums besinnend, schaltet die Songwriterin dann in „No Water“ wieder einen Gang herunter und liefert leichtere Kost, die gegen Ende beinahe schwerelos über „Ohs“ und „Ahs“ schwebt. Erleichterung bei jenen, denen bei den letzten Liedern doch etwas zu heiß wurde. „Dig Me A River“ ist dann wieder ein herrlich psychedelischer Ausflug und fällt „Snuck A Peek“ gleich aus dem Rahmen. Bei so einem Gefühl für einen so besonderen Musikstil, will man der Engländerin inzwischen allerdings so ziemlich alles vergeben. Auch „If You Want To Rock’n’Roll“ erhält sich diesen Stil, wie auch „Something Shifted“, bevor „So Do I“ noch ein allerletztes Mal an die positiven Energien dieses Albums erinnert. Das sorgt für einen sehr versöhnlichen Ausklang und wenn die letzten Tracks sich nicht zu sehr im Psycho-Sumpf erstickt hätten, wäre vielleicht noch mehr drin gewesen. Gegen Ende fehlt einfach die Abwechslung, um die klasse Leistung endgültig zu krönen. Trotz allem hat Gemma Ray (schon wieder) ein tolles Album abgeliefert, das vielen Hörern Freude an der Musik machen sollte.

Anspieltipps:

  • 100 mph (in 2nd Gear)
  • 1952
  • Dig Me A River
  • No Water

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