The Parlotones - A World Next Door To Yours - Cover
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The Parlotones A World Next Door To Yours


  • Label: Eastzone/SOULFOOD
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, dass höchstens bei den Großeltern wieder leichte Magenverstimmungen hervorruft, für Mama und Papa jedoch total in Ordnung ist.

Ist die Landessprache in Südafrika etwa doch englisch? Ja, man sollte sich nicht täuschen lassen, von der Symbiose aus BritPop und westlichen Rockriffeinlagen. The Parlotones kommen tatsächlich aus eben diesem Land, dass bald schon Gastgeber für die Weltmeisterschaft im Fußball sein wird. Kennt man sich ein wenig in der Szene aus, weiß man, dass diese aufstrebenden Rockbands aus Johannesburg keine Seltenheit sind. Und bevor aufgrund des Landes jemand auf dumme Gedanken kommt: diese Bands sind durchgehend weiß. Das ist wie mit Australien. Würde man nicht erwähnen, woher die Jungs kommen, würde man den Stempel mit UK oder auch den mit USA herausholen und die Jungens brav abstempeln.

Warum sollte es auch länderspezifische Vorteile geben? Also sei es drum, woher Kahn Morbee und sein Gefolge herkommen, die Musik zählt! Und da haut es einen gleich aus den Socken, wenn diese uns unbekannten Musiker (die gerne als Indie bezeichnet werden) mit bombastischen, epischen „Ohs“ und Synths im Stile eines „Final Countdown“ (nur nicht so in den Vordergrund gedrängt, doch mindestens genauso heroisch angesetzt) loslegen. Der Gesang, sowie auch die Texte bewegen sich irgendwo zwischen Coldplay, Keane und Morning Runner, wenngleich sie gerne noch einen Tick pathetischer daherkommen. Wenn ein One-Night-Stand so bombastisch wie „Giant Mistake“ angeprangert wird, zeugt das doch von einer gewissen Naivität. Und auch ein verträumtes „I’ll Be There“ entbehrt sich teilweise einer wirklichen Logik: „Even if you’re Strong, even if youre weak. I’ll be there waiting for you.“ So drückt der Text unfreiwillig Desinteresse aus und nicht die typische Liebe. Merkt hoffentlich keiner.

Das ist aber alles zu verschmerzen, da die Band ihre Musik doch mit einer guten Portion Frische vorträgt. Tom Waits hat ja noch nicht endgültig seinen Musikgeschmack verloren, wenn er in einer Jury sitzt und die Südafrikaner prämiert. Dass diese Formation wirklich ein Gespür für frische Wachmacher hat, beweisen sie das erste Mal aber erst so wirklich mit „I’m Only Human“. Zwar wird sich des triefenden Pathos (diesmal auch musikalisch) nicht entledigt, doch die stimmungsvolle Lage des Songs wird spaßig durch Bläser abgerundet und funktioniert wie das später folgende „Dance“ auch textlich richtig gut. Die Aufforderung des „Sichbesserfühlens“ klappt einwandfrei und dieses Lächeln ist doch auf jeden Fall etwas wert.

Das Gros des Albums wird allerdings von den melodischen Stadionrockhymnen wie „Bird In Flight“ geprägt. Schwere Gitarren, sanfte Stimme, eingängige Hooklines, die das Publikum beinahe schon beim ersten Mal fehlerfrei mitsingen kann. Entertainment ohne große Schwere steht hier auf dem Programm. Neben diesen Nummern versuchen dann die Balladen („Sun Comes Out“, „Baby Be Mine“, „Disappear Without A Trace“) die Herzen der weiblichen Fans schmelzen zu lassen. Da darf geseufzt werden und dadurch dass immer mal wieder eine Gitarre erklingt, dürfen natürlich auch Jungs die Lieder cool finden. „A World Next Door To Yours“ ist ein gutes altes Programmalbum ohne große Highlights, die die übrigen Songs schwach aussehen lassen könnten (abgesehen vielleicht vom epischen Opener oder dem spaßigen „I’m Only Human“). Dass hier ein Album entstanden ist, dass höchstens bei den Großeltern wieder leichte Magenverstimmungen hervorruft, für Mama und Papa jedoch total in Ordnung ist, zeigt eine Nummer wie „Play On“, die sich in konventionellster Weise eines Kinderchores bedient.

Einen eigenen Stil haben sie zwar nicht wirklich, doch hat man sie einmal gehört, kann man ihren Stil schon durchaus erahnen, nicht zuletzt dank der schönen, klaren Stimme Morbees. Wenn sie sich noch mehr auf ehrlich klingende Songs und noch bessere Melodien konzentrieren, ist als Unterhaltungsband auch kein Hindernis in Sicht. Musik muss nicht immer kompliziert sein und da sind The Parlotones wieder ein gutes Beispiel für.

Anspieltipps:

  • Giant Mistake
  • I’m Only Human
  • Disappear Without A Trace

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