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Spinnerette Spinnerette


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Brody Dalle ist wieder da. Nach sechs Jahren das erste Album einer szene-prominent gewordenen Punk-Rock-Ikone, die von den Medien immer nur als die attraktiv aussehende Frau eines bekannteren Musikers verstanden wurde. Erst Rancids Tim Armstrong, dann Queens Of The Stone Ages Josh Homme. Ihre Punkrock-Kombo The Distillers wurde entsprechend medial als Fahrwasserphänomen wahrgenommen, von nahezu allen Punk-Rock-Girls dieser Welt aber vergöttert.

Nach dem Split der Band, der Geburt ihrer Tochter und einigen Jahren der Um- und Neuorientierung präsentiert sich ihr neues Projekt, in dem der Distillers-Gitarrist Tony Bevilacqua als einziger Weggefährte früherer Zeiten übrig blieb, in gänzlich neuem Gewand: Brody Dalle macht keinen Punk-Rock mehr. Und wieder wird sie mit dem Vorwurf des Fahrwasserphänomens konfrontiert werden, vergleicht man ihren jetzigen Sound mit Hommes Oeuvre. Das beide Männer zu unterschiedlichen Zeiten vielleicht Umgekehrt einfach einer faszinierenden, eigenständigen Frau verfielen, fällt dabei als Möglichkeit den Wenigsten ein. It’s still a mans world, erst recht wenn Gitarren, Verstärker und Schlagzeug im Spiel sind.

Dabei war es nicht schwer sich vorzustellen, dass Dalles Weg vor einigen Jahren in den losen, formidablen Musikerkreis um die QOTSA-Familie hochinteressante Früchte tragen dürfte. Und genau so ist es jetzt gekommen. Spinnerette ist schwerer, melodiöser und vielfältiger Alternative-Rock, der neben Dalle einen weiteren Hauptverantwortlichen hat: Alain Johannes. So ist das Spinnerette-Debüt eine günstige Gelegenheit eine Lanze für den sich immer im Hintergrund haltenden und in Chile geborenen Multiinstrumentalisten Johannes zu brechen, half dieser doch schon die QOTSA-Alben „Rated R“, „Songs For The Deaf“ und „Lullabies To Paralyze“ zu veredeln. Dazu das erste Eagles-Of-Death-Metal-Album, Mark Lanegans bis dato bestes Werk „Bubblegum“, Millionaires „Paradisiac“, UNKLEs Debüt, Chris Cornells Solodebüt, die letzten beiden No-Doubt-Alben, Mondo Generator, Desert Sessions: überall, scheint es, hat Johannes seine Finger im Spiel. Und fand darüber hinaus bis 2008 noch Zeit für seine eigene Band Eleven mit Partnerin Natasha Schneider, die im letzten Sommer einem Krebsleiden erlag, und Langzeitkumpel und frühen Red-Hot-Chili-Peppers und Pearl-Jam-Schlagzeuger Jack Irons. Dieser macht aufgrund des wohl vorzeitigen Ablebens von Eleven gleich auch bei Spinnerette mit.

Was Johannes und Dalle da stellenweise zusammenkredenzen macht sprachlos. Allem voran der Opener, mein früher Anwärter auf den Song des Jahres. „Ghetto Love“ durchzieht das Gehör zunächst mit nettem Groove-Bass-Riff und seiner unwiderstehlichen Rhythmik, wie sich im Verlauf aber Gitarren-Spuren um die Grundmelodie schlängeln, Klaps, Schreie und Hintergrundchöre einen Rausch mit immer wieder angezogener Handbremse erzeugen, wirkt unglaublich; komplexe Rock-Catchyness wie sie, ja, Josh Homme auch im Stande ist zu bauen. Leider verspricht dieser Wahnsinns-Opener im Folgenden zu viel.

Dalles Werk kennt einige Höhen und Tiefen, es drängt sich der Verdacht auf, dass es dem Endprodukt nicht wohl gewogen war, schon seit 2005 an ihm gefeilt zu haben; manchmal ist weniger Bearbeitungszeit mehr. Doch stehen die etwas schwächeren, melodiös faden Songs „Cupid“, „Geeking“ und „Rebellious Palpitations“ dem Gesamteindruck nicht im Weg. Das punkieske „All Babes Are Wolves“, die schwindelige Hymnik auf „Baptized By Fire“, der Bass-lastige Grübler „Distorting A Code“, der quere Klamauk „Sex Bomb“, das famose „Impaler“: Das alles macht Spinnerettes Debüt hochinteressant, intensiv und fähig. Die Abfälle wollen nicht recht ins Bild passen, das Album daher ein wenig sperrig in seiner Wirkung, dass auf „The Walking Dead“ der Basslauf identisch, aber runtergetaktet, mit dem auf „Sex Bomb“ ist, haben Dalle und ihre Musiker eigentlich nicht nötig. Ein unausgegorenes, dennoch starkes Debüt.

Anspieltipps:

  • Ghetto Love
  • All Babes Are Wolves
  • Baptized By Fire
  • Distorting A Code
  • Sex Bomb
  • Impaler

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