Auletta - Pöbelei & Poesie - Cover
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Auletta Pöbelei & Poesie


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 41 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie die Legende bzw. die Biographie der Mainzer Band Auletta so will, bespielten Sänger Alex, Gitarrist Martin, Bassist Daniel und Schlagzeuger Jusch Anfang des Jahrtausends regelmäßig das Rheinufer. Treffen unter Freunden, die den musikalischen Grundstein legten, was nun mit dem Debüt „Pöbelei & Poesie“ unter dem Namen Auletta zum großen Schlag ausholt. Zumindest scheint es so, dass mit Trommelwirbel und ohne Rücksicht auf Verluste, die Marketingkeule geschwungen wird. Laut Pressetext „lange“ bevor die Arctic Monkeys dank MySpace für Furore sorgten, jammten die Mainzer mit Akustikgitarren bewaffnet am Ufer, verlegten diese Sessions schließlich in einen Proberaum, saugten den Sound der Libertines, Futureheads und Franz Ferdinand auf, um schließlich mit einem Song wie „Roboter“ den Pixies huldigen zu wollen. So zumindest die dem Bemusterungsexemplar beigelegte Biographie. So weit, so konstruiert, könnte man meinen.

Eines muss man dem nach einem italienischen Ort benannten Quartett auf jeden Fall lassen: Sie rocken unbekümmert, bedienen sich einfach gestrickter Alltagspoesie und sparen nicht mit Ohrwürmern. Wenn da nicht Mando Diao, Tomte, Virginia Jetzt! oder eben Franz Ferdinand sowie viele andere, deutlich markantere Bands wären, gegen die Auletta wie eine zwar technisch gut aufgestellte, aber gänzlich ohne eigenen Spirit daherkommende Cover-Band klingen, die auf dem Schulfest angehimmelt werden, aber nicht wirklich gewillt sind, den Weg weiter zu verfolgen und sich eigene Songs anzueignen. Das kommt einem zumindest schnell in den Sinn, wenn „Meine Stadt“ und „Im Westen“ wie 1:1-Kopien von Mando Diao aus den Boxen grooven oder „Roboter“ eben eine Huldigung an die Pixies darstellen soll. Mehr als schlichten Indie-Rock mit dem naiven Mitsing-Refrain, der einen nun mal so einfach in die Charts bringt und die Bravo-Leser auf den Plan ruft, sieht man da allerdings nicht. Mögen Kim Deal und Frank Black davon nichts mitbekommen... .

Wenn schon die instrumentale Seite, sagen wir mal, nicht besonders originell ist und man beim Hören von „Pöbelei & Poesie“ andauernd Mando Diao-Songs als späteren Ohrwurm präsentiert bekommt, dafür aber, um es noch einmal zu sagen, technisch einwandfreier, schnörkelloser Pop/Rock der Marke Herzschmerz und jugendlicher Alltagstrotz die Ohren pudert, könnte man mit den Texten in der Gesamtwertung doch noch über dem Durchschnitt ins Ziel gelangen. Wen jedoch Zeilen wie „Im Westen nichts neues, drum schieß ich mich ab, ab ab“ oder „Ein Schuss für den Frust, ein Kuss für die Lust“ umhauen, sei dahingestellt. Vielleicht hätten Auletta weniger dem britisch geprägten Rock der Marke Franz Ferdinand und eben der bereits genannten Schweden frönen sollen und sich lieber auf ruhige, balladeske Songs wie „Herz von Herz“ konzentrieren sollen. Die hinterlassen eine eigene Handschrift und kommen deutlich authentischer daher, als dieser laue Aufguss einer Nische im Indie-Rock, die schon seit geraumer Zeit nicht mehr richtig zündet. Fragt sich nur, wie oft nun eigentlich „Down In The Past“ auf diesem Longplayer verarbeitet wurde, ohne es als Coverversion zu deklarieren.

Anspieltipps:

  • Meine Stadt
  • Im Westen
  • Herz Von Herz
  • Blaue Blume

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