Sunset Rubdown - Dragonslayer - Cover
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Sunset Rubdown Dragonslayer


  • Label: Jagjaguwar
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Sunset Rubdown – zunächst nur Soloprojekt von Spencer Krug (Wolf Parade, Swan Lake) – ist zu einer kompletten Band mit festen Mitgliedern heran gereift. Auf dem nunmehr dritten Longplayer „Dragonslayer“ sind somit Jordan Robson-Cramer (Drums, Gitarre, Keyboard), Michael Doerksen (Gitarre, Bass), Camilla Wynne Ingr (Keyboard, Percussion, unterstützender Gesang) und Neuzugang Mark Nico (Bass, Drums, Percussion) zu hören. Hauptschreiber bleibt jedoch weiterhin Krug, zu dessen Songs die anderen Mitglieder ihre Ideen einbringen. Die stilistische Nähe zu Wolf Parade kann kaum geleugnet werden, auch wenn es hier keinen Gegenpol zu den schrägen Tönen in Form von gradlinigen Rock-Songs gibt, die den Wolf Parade Alben immer die nötige Ausgeglichenheit geben.

So ist „Dragonslayer“ vor allen Dingen eins: Verdammt anstrengender, verschrobener Indie-Rock. Nach einem sanften Klavierbeginn vernimmt der Hörer Spencer Krugs markante, in Hysterie getränkte, helle Stimme. Ein hektisches Schlagzeug und schreiende Gitarren sind zu hören, im Hintergrund spielen flächige Synthies, Camilla Wynne Ingr unterstützt beim Gesang. Sunset Rubdown machen es einem von Anfang an nicht leicht: Auch wenn der Song mit einer poppigen Melodie versehen ist, braucht er seine Zeit und mehrere Hördurchläufe, um zu wirken. Zu nervös die Instrumentierung, zu verwirrend die Songstruktur. Und so verhält es sich mit dem gesamten Album: Es dauert eine Weile, bis man sich gänzlich damit anfreunden kann.

„Idiot Heart“ setzt mit rockigen Gitarren ein, der große Ausbruch bleibt jedoch aus – Sunset Rubdown verlangen Geduld vom Hörer. Ab der Mitte des Liedes drehen sie dann auf: Das Tempo wird gesteigert während Spencer Krug und Camilla Wynne Ingr sich gegenseitig aufschaukeln. Doch auch hier brechen sie die Ekstase einfach ab und lenken den Song anschließend in eine andere, langsamere Richtung, nur um ihn am Ende doch explodieren zu lassen. Das mit einer Gute-Nacht-Melodie beginnende, mit einem amüsanten Titel versehene „Apollo And The Buffalo And Anna Anna Anna Oh!“ kann die Intensität der beiden Vorgänger jedoch nicht halten.

Dagegen ist „Black Swan“ wohl einer der Höhepunkte des Albums: Stille Percussion-Strophen wechseln sich mit eruptiven Refrains ab, in denen Sunset Rubdown ihr starkes Zusammenspiel – welches nicht selten zumindest teilweise improvisiert wirkt – voll und ganz ausleben können. Der Song „Paper Lace“ ist mit seiner kurzen Laufzeit von 3:48 und der einfachen Songstruktur noch am ehesten als Anspieltipp geeignet. Die stilistisch sehr nahe beieinander liegenden Songs finden in dem groovenden Beginn von „You Go On Ahead (Trumpet Trumpet II)“ oder dem beatartigem Grundgerüst von „Nightingale/December Song“, in dem Sunset Rubdown der Orgel viel Raum geben dann auch mehr Abwechslung. Den Abschluss bildet das äußerst starke, 10-minütige „Dragon's Lair“, in dem die ausbrechenden Momente von „Black Swan“ wieder zum Zuge kommen, vielen schrägen Tönen Platz eingeräumt und stark mit Laut-Leise-Dynamiken gespielt wird.

Wer auf verschrobenen und etwas komplexeren Indie-Rock steht, der auch gerne mal anstrengend sein darf, ist mit Sunset Rubdown sicher gut beraten. Zudem eignet sich das Album sicher gut zur Verkürzung der Wartezeit auf das nächste Wolf Parade Album, da sich die Bands wie oben erwähnt stilistisch nicht all zu sehr unterscheiden. Nur das hier eben die ganz besondere Magie fehlt, die sich zwischen den schrägen Songs von Spencer Krug und den geradlinigen von Dan Boeckner entfaltet.

Anspieltipps:

  • Idiot Heart
  • Black Swan
  • Paper Lace

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