Frank Popp - Receiver - Cover
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Frank Popp Receiver


  • Label: TV Eye/INDIGO
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock muss nicht immer krachende Gitarre sein. Rock ist, wenn man dazu wie bei Rock tanzen will. Hört man den Opener des neuen Frank-Popp-Albums „Burn The Bridges“ passiert dies auch auf Anhieb. Bleibt es hier vielleicht auch nur beim traumtänzerischen Wippen, liegt das wahrscheinlich nur an der so genannten „Indie-Atmosphäre“, die die verspielten Riffs ausstrahlen. „Nothing To Gain“ zeigt dann die Partyqualitäten des Ensembles um Sängerin Sam Leigh-Brown. Eindeutige und einleuchtende Struktur, ohne unnötige Schnörkel, aber dafür mit Mundharmonika gegen Ende. Einfacher Rock der alten Schule, der schnell ins Blut übergeht. Frank Popp sind zurück! Und wie!

Um das Facettenreichtum zu erweitern, wurden auch zwei Gastsänger in Form von Aydo Abay (ehemalig Blackmail) und Andy Jones (Roseville Band), wobei Sam schon mit letzterem in „I Don’t Mind“ beweist, dass ihre Stimme eine Ohrenweide sondergleichen ist. Ein straighter, etwas zu schlichter Rocker, der vom gewollt dreckigen Gesang Leigh-Browns profitiert. Andy Jones muss schon beinahe den Ruhepol mimen. Aydo Abay ist dagegen die Optimalbesetzung für das folkige „Countdown To The Sun“ im Dreivierteltakt. Diese anschmiegsame Stimme ergänzt sich wunderbar mit der sanftmütigen Melodie, die aber gerade in den bloßen Instrumentalparts eine nötige Rauheit ausstrahlt. Zwischen diesen beiden Songs liegt das rockige „Dead End Street“, welches „Nothing To Gain“ sehr nahe kommt (keine Mundharmonika!)

Was dann folgt, ist für den Rezensenten (aus persönlicher Erfahrung, also wirklich subjektiv) ein typischer Schwedenrocker. Tanzbare Struktur, wenig laute Gitarren, Bläser (oder zumindest andeutungsweise so etwas Ähnliches) im Refrain und eine Melodie, die sich verbissen im Gehörgang des Hörers festsetzt. Das ist zwar nicht sehr tief, jedoch umso lieblicher und das ist doch auch etwas. Der Spaßrock hat allerdings gerade erst begonnen, denn „A Thousand Mirrors“ entführt uns plötzlich nach London. Mit den Orgelkeyboardklängen und dem prägnanten Bass fühlt man sich in der Undergroundszene der Millionenstadt zu Hause. Sehr authentisch. Fein! „Live Wire“ klingt dann so, als hätten Frank Popp Damon Albarn eingeladen (na ja, nicht ganz). Einen Tick Blur meint man zu erkennen, wenn das „Sheeeeeeeeeeee’s electric“ ertönt.

Der wahre Kern Frank Popps ist aber doch der Rock, der an das Ende des letzten Jahrzehnts erinnert, als nur wenige Bands neu Rockmusik zu interpretieren versuchten. Es wurde ja doch alles zu Pop. Da ist es schon zum Lachen, dass eine Band Namens Frank Popp, diesen Rock für sich entdeckt hat. „Receiver“, der Titeltrack, ist ein wunderbares Beispiel für entspannten Rock, der mit tiefen Tönen und Mid-Tempo immer noch Feuer entfachen kann. Auch „Hey Mr. Innocent“ macht richtig Spaß, besonders da Sam in den Strophen an eine weibliche Tom Jones (nicht bildlich vorstellen… zu spät, oder?) erinnert. Diese Frau hat den Soul wirklich gepachtet. Dann erklingt die Fortsetzung von „Live Wire“, was ein Fehler ist, da man Leigh-Browns Stimme viel lieber lauscht.

Natürlich muss auch noch mal ein charakteristischer Rocker wie das viel zitierte „Nothing To Gain“ her und das passiert in Form von „Magic Birds“ auch. Dazu muss man nichts mehr sagen. Da ist ein „A Lifetime In A Day“ um Einiges interessanter, welches eine Chimäre aus „Countdown To The Sun“ und „Receiver“ darstellt. Gleichzeitig sind hier und da Riffs wie aus dem Opener zu hören. Einer der ganz starken Songs. Eine Westernode gibt es in Form des Instrumentalstücks „Scarecrow“ dann auch noch, das einen genussvoll in den Sonnenuntergang hören lässt (geht das?!). Bis auf zwei oder drei schwächere Lieder bekommt man es hier wirklich mit richtig guter Musik zu tun, wobei besonders die klasse Stimme Sam Leigh-Browns ein Ohrenschmaus ist. Ein Rocktrip der einfachen, aber wirklich schönen Sorte. Apropos schön! Um eine letzte Sache richtig zu stellen: Jazzfrau Sam ist bildschön (nur für jene, denen der Tom-Jones-Vergleich noch im Hals steckt).

Anspieltipps:

  • A Lifetime In A Day
  • Nothing To Gain
  • Hey Mr. Innocent
  • Countdown To The Sun

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