KISS - Kissology Vol. 2: 1978-1991 - Cover
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KISS Kissology Vol. 2: 1978-1991


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 449 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Kissology“ will gar nicht versuchen, einen ernsthaften Blick auf das Phänomen Kiss zu geben.

Kiss als Weltstars. Nichts anderes soll der zweite Teil der vier Ausgaben umfassenden Kissology, die bislang nur über Import erhältlich war, bebildern. In Amerika waren sie schon lebende Legenden und ihre geschminkten Gesichter wurden beinahe kultisch verehrt. Konsequent beginnt der Einstieg in die über sieben Stunden lange Kiss-Vollbedienung über die Jahre 1978-1991 mit einem kurzen Beitrag über das „Style over substance“-Gebärden der vier Hardrocker, während Tom Snyder in seiner „Tomorrow Show“ den vier Herren die Frage stellt „Was wäre, wenn Kiss einmal ohne Schminke, Blut und Feuerwerk auftreten würden?“ Selbstbewusst wie immer antwortet Sänger und Bassist Gene Simmons: „Es wäre immer noch eine total coole Rock-Show. Wir stehen nicht einfach nur da, wenn wir spielen. Wir rennen rum und lassen es so richtig geil krachen.“ Ob dadurch derselbe Hype um die maskierten Herrschaften entstanden wäre, darf an dieser Stelle allerdings bezweifelt werden. Wenigstens beantwortet der Vierer die Antwort auf diese Frage vier Jahre später noch einmal, in dem er sich völlig unmaskiert auf MTV präsentiert und fortan auf Konzerten lieber in Spandex und kaum den Oberkörper bedeckenden Shirts auftritt.

Keine Frage, Meister der Inszenierung waren Kiss schon immer und wer kann es ihnen verübeln, dass selbst nach dem der kommerzielle Erfolg über den gesamten Globus seine Fühler ausgestreckt hatte, was viele andere Bands zum Anlass nehmen würden Pensionsvorsorge zu betreiben und nur mehr das Notwendigste zu unternehmen, Simmons & Co. wie damals die Beatles einen Film über sich selbst zu drehen begannen. „Attack of the phantoms“ von 1979, der damit hierzulande nun zum ersten Mal offiziell erhältlich ist, zeigt allerdings keine neuen Facetten der Rocktruppe, sondern erweist sich als trashiges Vehikel um den Hype in neue Sphären zu katapultieren, in dem sich Kiss als ultracoole Retter des schlechten Geschmacks hergeben und in einer hanebüchenen Story als Helden des Rock´n´Roll gefeiert werden. Für Fans garantiert ein spaßiges Vergnügen, für alle anderen nur mit viel Alkohol zu ertragen.

Aber „Kissology“ will ohnehin gar nicht versuchen, einen ernsthaften Blick auf das Phänomen Kiss zu geben. Schließlich wird mit dem Neueinstieg von Schlagzeuger Eric Carr das Vorhaben angesteuert Australien im Sturm zu erobern, was treffend mit „Kiss invades Australia“ betitelt ist, gefolgt von einem 1½-stündigen Konzert und zwei darauf folgenden TV-Show-Auftritten, in denen sich der Vierer wiederum von seiner selbstinszenatorischen Seite zeigt. Auch wenn ein dezenter Blick hinter die Kulissen der gut geölten Rock-Maschine an dieser oder anderer Stelle mal nett gewesen wäre, die Mischung aus Live-Auftritten, Fernsehbeiträgen und Interviews vermittelt im Gegensatz zu Volume 1 einen wesentlich homogeneren Eindruck über das Unternehmen „größte Rockgruppe der Welt“. Einzig und allein nach der Demaskierung im September 1983 beschleicht einen das Gefühl Kiss hätten nicht mehr viel zu sagen und nach zwei kürzeren Shows (Lissabon und Philadelphia), sowie eines beinahe zweistündigen, die Gigantomanie des Rockacts ein weiteres Mal unter Beweis stellenden Auftritts im Palace of Auburn Hills in Detroit, Michigan (Kiss entsteigen einem überlebensgroßen Pharaoschädel, im Hintergrund arbeitet die riesige Licht- und Lasershow) wird der Zuschauer eigentlich nur mehr mit dem Gedenken an den im November 1991 an Krebs verstorbenen Eric Carr entlassen.

Auf technischer Seite hat sich im Vergleich zum Vorgänger bei Volume 2 allerdings nicht viel getan. In 4:3 und dem amerikanischen NTSC-Format ist der zweite Teil der Kissology ganz klar keine Konkurrenz für die hochauflösenden Biographien oder Konzerte anderer Bands und Musiker, aber hier dürfte es den Verantwortlichen sowieso mehr um Quantität als um Qualität gegangen sein, denn obwohl der Ton einen ganz klaren Satz nach vorne macht, ist das Bild teilweise noch immer viel zu unscharf und verwaschen, ganz so als hätte man lediglich die Originalbänder eins zu eins auf eine DVD überspielt. Wie dem auch sei, mit der diesmal wesentlich gehaltvolleren Zusammenstellung ist die in Bild und Ton festgehaltene Zeitspanne zwischen 1978 und 1991 ein klares Muss für jeden Kiss- und Rockfan.

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