KISS - Kissology Vol. 3: 1992-2000 - Cover
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KISS Kissology Vol. 3: 1992-2000


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 667 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„We didn´t want to stop Kiss, we didn´t want to stop playing as Kiss. All we wanted to stop was playing with the guys who were making it difficult to be Kiss.”

Es lebe der Überfluss, denn man gönnt sich ja sonst nichts! So oder so ähnlich könnte der Leitspruch von Kiss nach zwei ertragreichen Dekaden im Musikgeschäft Anfang der 90er Jahre gelautet haben, denn obwohl der glitzernde Mythos der selbsternannten, heißesten Rockband des Planeten nach und nach zu bröckeln begann, neue Studioalben bestenfalls eine Gold-Auszeichung einfuhren und viele Touren in zur Hälfte gefüllten Hallen bestritten wurden, ließen sich Gene „The Demon“ Simmons und seine mittlerweile demaskierte Truppe nicht unterkriegen und rappelten sich nach allen Regeln der Kunst wieder auf. In Bild und Ton wird diese turbulente Phase von 1992 (ein Jahr nach Eric Carrs Tod) bis zur „The last Kiss“-Abschiedstournee 2000 auf dem dritten Teil der „Kissology“-Reihe festgehalten, die mit ca. elf Stunden an Live-Material den Zuseher nicht nur gnadenlos erschlägt, sondern dadurch auch kaum neue Facetten des Rockacts ans Tageslicht bringt.

Zugegeben, rein optisch ist der erste Konzertmitschnitt aus Detroit vom 27. November 1992 im Rahmen der Revenge-Tour, der mehr oder weniger die Steherqualitäten der vier Amerikaner nach Carrs Tod unter Beweis stellen sollte, ein einziger Leckerbissen: Das Bühnenbild ziert eine riesengroße Nachbildung der Freiheitsstatue mit bedrohlich glühenden Augen, dem Publikum blasen mehrere Feuerwerke, sowie eine zappelige Lasershow entgegen und während „Take it off“ entblättern sich drei Damen, was nach einer verrockten Fassung des „Star spangled banner“ als Finale nur einen Schluss zulässt: Gott schütze Kiss! Schade nur, dass der Ton bei diesem Spektakel dermaßen stiefmütterlich abgemischt wurde, sodass das generell dünne Klangbild und der zu stark in den Hintergrund gemischte Gesang letztendlich im Gedächtnis haften bleiben. Glücklicherweise bleiben die restlichen Aufzeichnungen von ähnlichen Beeinträchtigungen verschont, wodurch „Kissology Volume 3“ ab da (aus rein technischer Sicht) in vollen Zügen genossen werden kann.

Das ist auch gut so, denn die Vorbereitungen zum folgenschweren MTV-Unplugged-Konzert, bei dem sich die zuvor ausgestiegenen Mitglieder Peter Criss (Schlagzeug) und Ace Frehley (Gitarre) wieder der Truppe anschlossen und diese so ab 1996 wieder in der Ur-Besetzung die Welt unsicher machten, als auch der anschließend verstärkerlose Auftritt sind der Höhepunkt der dritten Kiss-Chronik und werten das mit Live-Mitschnitten zugepflasterte DVD-Paket nicht nur wegen dem einzigen „Behind the scenes“-Beitrag, sondern auch wegen der denkwürdigen Reunion, gegen die der eine oder andere Fan mit Pfiffen reagierte, was seitens der Band schlicht mit „Come on man, they´re part of the family too“ gekontert wurde, und den Songs im ungewohnten Akustikkleid ungemein auf. Leider bedeutet das auch, dass das aufgezeichnete Geschehen auf der Bühne in den nächsten vier Jahren trotz der „back to the roots“ Reunion-Tour mit Simmons, Stanley, Criss und Frehley in Schminke und Plateauschuhen neben Feuer- und Blutspuckerei kaum an das Unplugged-Spektakel und den damit einhergehenden Medienrummel herankommt.

Für den Zuseher bedeuten die restlichen drei längeren Konzertmitschnitte, einschließlich des Abschieds 2000 mit Konfettikanone und zerschmetterter Gitarre, nämlich nicht mehr als eine geringfügig abgeänderte Setlist angeboten zu bekommen, deren Schwerpunkt mal auf dem visuellen 3D-Overkill der „Psycho Circus“-Tour (1998) liegt oder deren Prämisse lautet ein technisches Best Of der damals verfügbaren Möglichkeiten zu präsentieren. Wie dem auch sei, nach dem fünften Mal „Rock and roll all nite“ und etlichen anderen Überschneidungen siegt die Quantität endgültig über die Qualität, sodass ein beinahe unzumutbarer Grad an Sättigung erreicht wird. Wieso als Bonusdisc ausgerechnet eine weitere Station der Reunion-Tour von 1996 angeboten wird anstatt den 99er Kultfilm „Detroit Rock City“ einzubinden (das Konzert vor der Premiere des Streifens ist schließlich inkludiert), der zumindest für genügend Abwechslung und einen willkommenen musikhistorischen Anknüpfungspunkt gesorgt hätte, erschließt sich daher nicht so ganz.

Wenigstens haben Kiss mit der aufgebesserten Aufnahme ihres ersten gefilmten Auftritts in Coventry am 22. Dezember 1973 als zusätzliches Zuckerl ihren Fans einen großen Dienst erwiesen, denn obwohl in den in schwarz und weiß gehaltenen Bildern nicht viel zu erkennen ist, klingt der Sound roh und räudig wie ein Straßenköter auf der Balz, was manchem für heutige Verhältnisse vielleicht veraltet erscheinen mag, aber gerade wegen seiner altmodischen Produktionsweise einen zeitlosen Charme versprüht. Mit positiver Haltung verabschieden sich die vier Herrschaften trotzdem nicht, denn schließlich gab Gene Simmons im Jahr 2000 folgendes Zitat von sich, das nicht nur Fans den Atem stocken ließ: „We didn´t want to stop Kiss, we didn´t want to stop playing as Kiss. All we wanted to stop was playing with the guys who were making it difficult to be Kiss.”

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