Lil Wayne - Rebirth - Cover
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Lil Wayne Rebirth


  • Label: Cash Money/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein musikalisches Erdbeben bleibt hier leider aus.

Als der Rapper Lil Wayne im Juni 2008 sein Werk „Tha Carter III“ veröffentlichte, munkelte man bereits darüber, dass der 27-Jährige als nächstes eine Art Rockalbum planen würde. Nachdem dies und der Arbeitstitel „Rebirth“ kurze Zeit später bestätigt wurden, begann eine unglaubliche Posse um den Veröffentlichungstermin, der insgesamt vier Mal verschoben wurde (von April 2009 auf Juni 2009, November 2009 und Dezember 2009).

Dabei gab es am Ende sogar eine Panne, da angeblich bereits 300.000 CDs an einige US-Händler angeliefert wurden und diese, wie z.B. Amazon.com, seit Ende Dezember ihre Kunden fleißig damit bedienten, bis sie von Lil Waynes Plattenfirma gestoppt wurden. Allein an der ausgelieferten Menge von 300.000 CDs ist zu erkennen, was von „Rebirth“ erwartet wird. Denn schaut man sich im Vergleich dazu die bitteren Verkaufszahlen von Timbaland, Snoop Dogg und 50 Cent an, die mit ihren aktuellen Alben kommerziell komplett baden gegangen sind, wäre alles andere als Platz eins der Billboard Charts eine Enttäuschung.

Damit die Songs des Albums nicht vorzeitig im Internet auftauchen und damit die hehren Chartsziele durchkreuzen konnten, hieß es nun Tempo machen. Und siehe da: Der von Lil Waynes Label zuletzt genannte Termin konnte endlich gehalten werden und seit Ende Januar bzw. Anfang Februar 2010 (USA) ist „Rebirth“ tatsächlich offiziell auf dem Markt! Die Erwartungshaltung dürfte mittlerweile in ungesunde Höhen geschnellt sein, denn alle Musikinteressierten werden sich wohl fragen, was dabei herauskommen soll, wenn sich ein Rapper plötzlich eine E-Gitarre umschnallt und das musikalische Lager wechselt.

Nun ja, um ehrlich zu sein, das musikalische Erdbeben bleibt aus. Zwar fällt auf, dass Lil Wayne auf organische Sounds setzt und dabei echte Instrumente aus der Rockmusik einsetzt (Gitarre, Bass, Schlagzeug) und anstatt zu rappen auch schon mal singt, aber im Großen und Ganzen seinen musikalischen Wurzeln treu bleibt. Lil Wyne reichert das HipHop/Rap-Genre vielmehr mit einer stilistischen Variante an, die es in ähnlicher Form schon einmal gab (remember: Rap-/Metal-Rap?), aber schnell tot geritten wurde. Dennoch weicht Dwayne Michael Carte, Jr. den klassischen HipHop nicht auf, selbst wenn er mit dem „She’s on fire”-Cover des 70er und 80er Jahre Disco-Synthie-Königs Giorgio Moroder einen geschmacklichen Ausfallschritt aufs Parkett legt.

„Rebirth“ funktioniert als Hallo-Wach-Effekt für ein siechendes Genre. Die Mittel dazu sind nicht neu, doch wer nichts unternimmt, darf sich am Ende auch nicht beschweren. So werden eingeschworene HipHop-Fans vielleicht erschrocken sein, wie staubtrocken die Drums in „American star“ oder „Prom queen“ poltern, was ein von Hand gespielter Bass („Da da da“) ausmachen kann. Dabei geizt Lil Wayne nicht gerade mit Auto-Tune-Effekten und lädt sich mit Eminem („Drop the world“) und Kevin Rudolf („One way trip“) ein paar zukräftige Gaststars ein. Aber wo sind die E-Gitarren? Die verstecken sich meistens hinter meterdicken Beats und gewinnen gegen diese nur selten den Kampf („Runnin“, „One way trip“).

„Rebirth“ hat mit einem reinrassigen Rockalbum wenig bis gar nichts zu tun. Trotzdem ist dieser dezente Crossover-Ansatz eine willkommene Abwechslung, mit dem sich Lil Wayne ganz bestimmt nicht um Kopf und Kragen in der HipHop-Szene gebracht hat.

Anspieltipps:

  • Runnin
  • Paradice
  • Knockout
  • American star
  • One way trip

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