Cinema Bizarre - Toyz - Cover
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Cinema Bizarre Toyz


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn die Jungs von Cinema Bizarre mit Anfang 20 nicht mehr als Teenager bezeichnet werden können, ist ihre Zielgruppe genau in dieser Altersschicht angesiedelt. Und zwar vermehrt unter Mädchen, die mit dem Quintett eine keimfreie, von der Bravo empfohlene Einstiegsdroge für zukünftige Gothic-Girlies vorgesetzt bekommen. Doch bevor sich der Rezensent über soviel Kalkül auch nur ansatzweise aufregen kann, nämlich dass den Kids mal wieder ein Reißbrettentwurf aus der Imageabteilung eines Majorlabels vor die Nase gesetzt wird, nimmt einem der Waschzettel der Plattenfirma dezent den Wind aus den Segeln.

Darin wird unverblümt damit kokettiert, dass „Cinema Bizarre für Kunst und Produkt stehen und das Resultat einer industrialisierten Unterhaltungsbranche als Antithese zur schwitzenden Garagencombo darstellen“. Herzlichen Glückwunsch! Da dachte man immer, die Jugend ist das Alter der Rebellion und des Aufbegehrens und dann sollen die Herzen der Pubertierenden mit einem musikalischen Kunstprodukt erobert werden, an dem wahrscheinlich nichts echt ist. Wir bitten schon jetzt um Verzeihung, dass einem da schon mal der Polemik-Gaul durchgehen kann.

Für ihre gestylte Glam-Pop-Gothic-Mission haben sich Strify (Gesang), Yu (Gitarre), Romeo (Keyboards), Kiro (Bass) und Shin (Drums) optisch als „Visual Kei“-Ableger getarnt (also die schwule Ausgabe von Tokio Hotel, wenn man so will) und sich von diversen Songwritern wie Selig-Gitarrist Christian Neander (Echt, Heinz Rudolf Kunze, Niels Frevert) und Placebo-Sänger Brian Molko (!) unter die Arme greifen lassen. Die Marschroute dabei war ebenso einfach wie effektiv: Man nehme eine fiese Mischung aus stampfenden Disco-Beats und simpelsten Dieter-Bohlen-Melodien und paare diese mit Texten über Teenagerliebe (hauptsächlich) und ein bisschen Düsterkram. Fertig ist ein bombastisch produziertes Album, das zum einen auf tanzbare Rummelplatzklänge setzt, die in Form von Tracks wie „Hynotized by Jane“, „I came 2 party“, „Toyz“, „Tears in Vegas“ oder „Erase and replace“ auf Anhieb ins Ohr gehen oder zum anderen das Schmalzballadenfach ansteuern („My obession“, „Blasphemy“).

Das zweite Cinema-Bizarre-Album vermittelt einen Eindruck, der sich gut mit seelenlos zusammenfassen lässt. Die Band präsentiert sich tatsächlich als Produkt und wirft dem Hörer eine Ladung Songs vor die Füße, die soviel Tiefgang wie ein Stück Hartplastik besitzen. Für so etwas braucht es nun wirklich kein Album. Stellt alle sechs Wochen ein neues Stück zum Download bereit und spart Ressourcen!

Anspieltipps:

  • In your cage
  • I came 2 party
  • Erase and replace
  • Heaven is wrapped in chains

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