Judas Priest - A Touch Of Evil: Live - Cover
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Judas Priest A Touch Of Evil: Live


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist beileibe nicht so, dass Priest-Songs aus der vermeintlichen zweiten Reihe unter ein gewisses Qualitätslevel fallen würden.

Machen wir uns nichts vor, viele Fans waren mit „Nostradamus“ (2008), dem zweiten Priest-Album nach der Rückkehr von Sänger Rob Halford, nicht wirklich glücklich, um es moderat auszudrücken. Es ist zu lang, enthält zu wenige Killersongs und zu viele hörspielartige Passagen im „God Of War“-Stil á la Manowar, lautete die landläufige Meinung. Im schlechten Sinne garniert wurde der Missmut der Anhänger von einer Welttournee, bei denen Judas Priest – und allen voran Rob Halford! – bösen Formschwankungen unterlegen waren, die nicht wenige Gigs zu peinlichen Altherrenauftritten degradierten.

Kurzum: Richtig zufrieden mit den aktuellen Priest-Ergüssen war kaum jemand – auch nicht die Plattenfirma, die sich gewiss Verkaufszahlen auf „Painkiller“-Niveau erhofft hatte. Deshalb verwundert es nicht, wenn nun mit „A Touch Of Evil“ ein recht lieblos aufgemachtes, nur elf Tracks umfassendes Live-Album auf den Markt geworfen wird, das Ausschnitte der Priest-Tourneen aus den Jahren 2005 und 2008 enthält. Vergleiche mit dem legendären „Priest... Live!“-Album aus dem Jahr 1987 sind von daher gleich wieder zu beerdigen! Hier geht es um eine schnelle Aufbesserung der Kasse, mit Songs, die es in der vorliegenden Form noch auf keinem Live-Album gab. Echte Kampfansagen klingen anders. Und großartige Live-Alben auch. Dabei sind Judas Priest – auch um viele Klassiker „erleichtert“ – live immer noch eine Wucht!

Rob Halford macht das einzig richtige und passt seine Stimmlage seinem Alter an. Die höchsten Stufen der Tonleiter wurden von der Stimmpolizei weiträumig abgesperrt und seine Bandkollegen mäßigen sich in Sachen Tempo ebenfalls an der einen oder anderen Stelle, um ihren Frontmann zu schonen. Wie viel oder wie wenig dennoch im Studio nachbearbeitet wurde, lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls klingt „A Touch Of Evil“ nicht gerade wie aus einem Guss. Und wenn der Hörer dann auch noch fast zur Gänze auf seine Favoriten verzichten muss und nur Auszüge aus dem reichhaltigen Priest-Live-Programm vorgesetzt bekommt (der Kenner erkennt mit einem Blick auf die Tracklist was los ist...), besteht durchaus die Gefahr, dass das vorliegende Werk zu einer zwiespältigen Angelegenheit verkommt.

Dieses Risiko ist die Band mit ihrem Konzept ganz bewusst eingegangen. Dennoch: Es ist beileibe nicht so, dass Priest-Songs aus der vermeintlichen zweiten Reihe unter ein gewisses Qualitätslevel fallen würden. Schnell kristallisieren sich auch hier ein paar Perlen heraus („Beyond the realms of death”), die es zwar nicht ganz mit Stücken wie „Breaking the law“ oder „You’ve got another thing coming“ aufnehmen können, sich aber achtbar schlagen. Trotzdem: „A Touch Of Evil“ richtet sich mehr denn je an die echten Priest-Fans, als an auf Hits versessene Trittbrettfahrer.

Anspieltipps:

  • Painkiller
  • Judas rising
  • Eat me alive
  • A touch of evil
  • Beyond the realms of death

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