Elvis Perkins - Elvis Perkins In Dearland - Cover
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Elvis Perkins Elvis Perkins In Dearland


  • Label: XL Recordings/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Na nu? Als Trauerkloß war er doch mit seinem ersten Album etabliert. Jener zweite Sohn des Schauspielers Anthony Perkins, der mit seiner Rolle als Norman Bates in Hitchcocks „Psycho" Weltruhm erlangte und 1992 völlig überraschend an einer zeitlebens – außer vor der Ehefrau – verheimlichten Aidserkrankung starb; Elvis Perkins war 16, der Tag ein 12. September. Und jener zweite Sohn, überdies, der Fotografin und Schauspielerin Berry Berenson, welche neun Jahre später, am 11. September 2001, ein Flugzeug in Boston bestieg und ihr Ende beim Einschlag der American-Airlines-Maschine in den ersten der beiden Twin Towers zu Manhattan fand.

„Ash Wednesday’s“ schwebend-perplexe, zweigeteilte Trauerarbeit mit Songs vor und Songs nach dem Tode der Mutter ließ aufhorchen, doch erzeugt Perkins weiterreichende Verwunderung nun mit seinem Nachfolgewerk. Von wegen Zieh-dich-warm-an Tom York: Elvis Perkins entdeckt die heimliche Freude, die stillen Sonnenstrahlen, die melancholische Seligkeit auf „In Dearland“. Einer der schönsten musikalischen Einstiege des Jahres erinnert nicht von Ungefähr oder gar einzig aufgrund der artverwandten Verwendung der Mundharmonika an Dylan, hat Perkins doch mit Chris Shaw den formidablen Produzenten der letzten beiden Zimmermann-Alben für sich gewinnen können. Und dessen Stärke, die Spontaneität der Studio-Atmosphäre ungefiltert einfangen und wiedergeben zu können, gereicht Perkins in allen Facetten des Albums zum Gewinn.

Da poltert eine Band, eine wunderbare zudem, mit „Shampoo“ drauflos und schwimmt Perkins frei vom pechschwarzen Singer/Songwriter-Folk-Teich. Das Touren mit eben jener Live-Band hat ihn entscheidend vorangebracht. “Yellow is the color of my true love's cross bone/ Yellow is the color of the sun/ Black is the color of a strangled rainbow/ Black is the color of my love”: Weisheiten dargeboten ohne Quängel, ohne Schmalz, auch PJ Harvey besingt ja ihre “Black Hearted Love” auf dem aktuellen Werk frei von Düsternis. Und sonnige Tage fangen wir leicht emphatisch auf „Hey” ein und wundern uns erfreut, wie lebensbejahend Perkins erzählen kann. Gospel, Blues, Mississippi-Stompin’-Beats und vor allem musikalische New Orleans-Metaphorik verwandeln „I’ll Be Arriving“, „Chains, Chains, Chains“, „123 Goodbye” und das herrlich frenetische „Doomsday“ in eine Beerdigungstanzveranstaltung, wie von afroamerikanischer Kultur tradiert. Das schöne dabei: „In Dearland“ kennt nicht einen schwachen, dafür aber zahlreiche herausragende Songs.

Ein Americana-Folk-Country-Gemisch verrührt mit kompositorischen Elementen des ungewöhnlichen Instrumentengebrauchs á la Tom Waits und einer Stimmung die von des Erstlings Bedrückung zu erhabener Leichtigkeit wandert machen „Elvis Perkins In Dearland“ zu einer der angenehmsten Überraschungen des laufenden Jahres. „I Heard Your Voice In Dresden“ gibt es vor: „Glory, glory, hallelujah“.

Anspieltipps:

  • Shampoo
  • Hey
  • I Heard Your Voice In Dresden
  • I’ll Be Arriving
  • Chains, Chinas, Chains
  • Doomsday

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