Katatonia - The Great Cold Distance (Re-Release) - Cover
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Katatonia The Great Cold Distance (Re-Release)


  • Label: Peaceville/SPV
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist die schwierige Kennenlernphase überstanden, steigt die Begeisterung.

Die Schublade im Gehirn mit der Aufschrift Katatonia wird dank dieser Neuauflage wieder geöffnet. Schauen wir mal hinein. Fünf Musiker, sieben Alben, Schweden, Stockholm. Das siebte Studioalbum „The Great Cold Distance“ erschien vor drei Jahren (2006), die Special Edition mit einem 5.1-Mix des Albums auf DVD ein Jahr darauf. Nun wird diese Special Edition neu aufgelegt. Die Schweden möchten, dass wir unsere Schublade noch mal inspizieren und auf das neue Album „Night Is The New Day“ im Oktober vorbereiten.

Katatonia sind wahre Meister darin eine bestimmte Stimmung auf einem Album zu kreieren. Diese düstere Musik kann man nicht allein mit dem Begriff melancholisch beschreiben. Das greift zu kurz. Sie ist vielmehr kalt, abweisend, traurig und pessimistisch. Der Titel heißt nicht umsonst „The Great Cold Distance“. Bei ersten Annäherungsversuchen wird man regelrecht eiskalt abgewiesen. Langsam vorwärts tasten heißt die Devise, mit jedem Durchgang Neues erfahren, für die nächste Übereinkunft abspeichern. Die Belohnung folgt mit jedem weiteren Zusammentreffen, indem sich die einzelnen Stücke langsam öffnen, immer mehr Halt und Geborgenheit bieten. Wie einige Lotosblumen, bei denen sich die Blüten nur im Schutz der Nacht öffnen und dem Betrachter präsentieren. Hat man ihre Pracht und Reinheit in der Dunkelheit einmal bewundern können, wird man gewiss wiederkommen. Heinrich Heine hat das viel treffender formuliert:

Die Lotosblume ängstigt sich vor der Sonne Pracht,
Und mit gesenktem Haupte erwartet sie träumend die Nacht.
Der Mond, der ist ihr Buhle, Er weckt sie mit seinem Licht,
Und ihm entschleiert sie freundlich Ihr frommes Blumengesicht.

Ist die schwierige Kennenlernphase überstanden, steigt die Begeisterung. Die Musik besteht oft aus einem sphärischen, dunklen Grundgerüst mit progressiven Elementen, das immer wieder von Metal-Einsprengseln mit tief gestimmten Gitarren und härteren aber auch melodischeren Refrains begleitet wird. Darüber thront der fragile, charakteristische Gesang. Herauszuhören sind Einflüsse von Anathema, Opeth oder Deftones. Es ist schwer Lieder heraus zu stellen, da das Album als eine Einheit funktioniert und auch so empfangen werden sollte. Die Bonustracks „Displaced“ und „Dissolving Bonds“ fügen sich dabei nahtlos ins Gesamtbild ein: Gefühlsbetonte Musik für einen kalten, bewölkten Winterabend.

Noch einige Worte zu der DVD. Die Musik wird mit den schwarz-roten Bildern aus dem Booklet unterlegt. Verantwortlich ist einmal mehr Travis Smith, der für viele namhafte Bands Kunstwerke erschafft. Der 5.1-Mix entpuppt sich als 4.0-Mix, denn ein Subwooferkanal wurde nicht gemixt und der zentrale Lautsprecher schweigt einfach. Die beiden Bonus Tracks der CD sind nicht enthalten. Schade. Die sphärischen Momente, Echos und der Hintergrundgesang werden zwar gut auf die hinteren Lautsprecher verlagert, aber die lauteren Momente hören sich zu sehr nach Stereo an, das lediglich etwas unterstützt wird. Man hätte sicherlich mehr rausholen können aus dem Surround-Klang, auch wenn die Musik nicht so viele Feinheiten dafür bietet.

Anspieltipps:

  • Soil’s Song
  • My Twin
  • July
  • In The White

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