Tortuga Bar - Narcotic Junkfood Revolution - Cover
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Tortuga Bar Narcotic Junkfood Revolution


  • Label: Viersieben/ALIVE
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mark Kowarsch hat keine Lust mehr, im kleinen Kreis Musik zu machen. Über kurz oder lang kommt man zu diesem Schluss, wenn bei wirklich jedem Song auf dem neuen Album (mindestens) ein Gastsänger dabei ist. Da sehen selbst die Gorillaz alt aus, zumindest was die Gästeliste angeht. Die Stilrichtung soll grob Indie-Rock sein, wobei dieses Vorhaben bei so vielen Gästen und damit einkehrenden Einflüssen ein schwieriges Unterfangen darstellt. Der Einstieg „Likely To Be Dropped“ mit Nagel von Muff Potter hält dieses Versprechen mit Garagesound problemlos und lässt eine Partyplatte erwarten, die bei großer Bandbreite der Geschmäcker durchaus etwas hermachen könnte.

Dass es jedoch nicht immer nur preschend nach vorne geht und die LP sich als „richtiges“ Album versucht, zeigt gleich das niedliche „Don’t Tell“, welches von seiner Struktur gerade im zweiten Teil etwas altmodisch klingt und nicht gerade neuen Pop darstellt. Aber das ist die zweite Seite von Tortuga Bar, die poppige und es bleibt zu hoffen, dass sich nicht noch allzu viele weitere Seiten zeigen, denn viel verschiedener konnten die ersten Stücke nicht sein. Wie auf Befehl folgt eine Blur/Liquido-Produktion mit „Halle Berry“. Spaßrock mit psychedelischen Elementen oder Psychedelic-Rock mit unfreiwilliger Komik. Das muss man für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall lockt der simple Refrain wohl musikalisch wie textlich niemand hinter dem Ofen hervor. Die Strophen werden hier hemmungslos vom Refrain im Stich gelassen. Zumindest kann man es auf einer Party spielen (vom Tempo her).

Mit „Storm“ verabschiedet sich selbst der geneigte Hörer von der Idee, dass es sich hier um einen zusammenhängenden Musikeindruck handeln soll. Diese ruhige und schöne, wenngleich einfache Ballade schlägt schon wieder eine neue Richtung ein, ohne dass eine Struktur erkennbar wird. Wer sich jetzt auch mit einer Ansammlung von durcheinander gewürfelten Singles angefreundet hat, anstatt eines Albums, verträgt auch den ersten Elektroausflug „Foolish Me“ gut. Im Kopf versucht man eine Parallele zu Blurs Meisterwerk „Parklife“ herzustellen, doch dieses hatte schlicht mehr Hitpotenzial und irgendwie passte der Wahnsinn dort ein gutes Stück besser. So versinkt „Fake It“ mit seinem wiederkehrenden Garagesound plus Elektronikspielereien im musikalischen Nirvana. Anstatt sich über einen abgedrehten Rocker zu freuen, fragt man sich jetzt etwas enttäuscht: „Hatten wir das nicht schon?“

Der sich stets steigernde Wahnsinn schmälert zunehmend die interessanten Melodien und so wundert es nicht, wenn ein „Addicted“ nur noch von wummernden Beats lebt, die der Parole folgen, desto lauter, desto besser. Live garantiert eine Hüpf- und Nicknummer. Man mag sich einfach nicht mehr für die dargebotenen Melodien erwärmen. „Columbine Community“ versucht sich als schwächere Ballade, die in uninspirierter Indie-Rock-Atmosphäre mündet. Ein ähnliches Schicksal teilt „Bika“, mit Frontsportfreund Peter Brugger. Anfangs noch lustig lutscht sich der Meldoidebogen sehr schnell aus. Besserung ist auch am Ende nicht in Sicht und so ergibt sich ein sehr durchwachsenes Klangbild, das nur zwischenzeitlich Überzeugt und oft hemmungslos langweilig klingt. Vielleicht sollte man der Musik doch wieder mehr den eigenen Stempel aufdrücken, anstatt vor lauter Gästen das eigene musikalische Ich aus den Augen zu verlieren.

Anspieltipps:

  • Likely To Be Dropped
  • Storm
  • Fake It
  • Feel The Love

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  • 2019    
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