The Morning After - You Can´t Hurt Steel - Cover
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The Morning After You Can´t Hurt Steel


  • Label: Rising Records/SPV
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Britische Bands hatten schon immer einen gewissen Hang zum Größenwahn. Wenn allerdings eine frisch gebackene Truppe wie The Morning After auf ihrem Debüt Gitarrensolos untergebracht haben soll, die angeblich heißer sind als eine Nacht mit Angelina Jolie (O-Ton Pressetext), dann könnte das Interesse angesichts dieses unnötigen Querverweises schnell geschmälert werden. Fakt ist, das die ehrenwerten Herrschaften Sam Ryder (Gesang, Gitarre), Phil Maher (Gitarre), Jay (Bass, Gesang) und Reece Bude (Schlagzeug) derartige Übertreibungen gar nicht nötig hätten, da „You can´t hurt steel“ mit seinem epochenübergreifenden Stilmix quasi für sich allein spricht und schon auf diese Art und Weise für ausreichend Neugier sorgt.

Ähnlich wie die schon in die ewigen Jagdgründe eingegangenen Schotten Mendeed, die auf ihren Alben ein zünftiges Gemisch aus Power Metal, Thrash und Metalcore vollzogen haben, sind The Morning After gewillt diesen Ansatz gehörig auszubauen und so ziemlich jedes halbwegs populäre metallische Genre unterzubringen, das auch nur annähernd in den letzten drei Dekaden das Licht der Welt erblickt hat. Vorrangig im Midtempo gefestigt, konstruieren die vier Briten einen wuchtigen Cocktail mit Zutaten aus Metalcore, Hair, Power, Death, Thrash, Heavy Metal, Kitsch, Trash-Gebärden, technisch aufjaulenden Gitarren a la Dragonforce und hymnischen Refrains, die vor allem in den 80ern für volle Stadien gesorgt haben. Klingt also nach einer runden und spannenden Sache oder etwa nicht?

Sicherlich klingt der Ansatz, den die Jungs anbieten, sehr verlockend und geht in seiner Ausführung wesentlich stimmiger und ausgereifter vonstatten als bei anderen vergleichbaren Bands, doch dummerweise machen es sich The Morning After an den wichtigen Stellen viel zu leicht und verschenken dadurch Potential. Dabei ist nicht einmal störend, dass das Grundgerüst im melodieseligen Power Metal verankert ist und nur die stilistischen Ausreißer wie etwa ein wütendes Death Metal-Brett oder ein knackiger Breakdown inmitten einer feuchtfröhlichen Passage für die richtige Würze sorgen, sondern weil diese Formel immer wieder aufs Neue angewandt wird und daher eine gewisse Schemenhaftigkeit eintritt, die große Überraschungen verbietet.

Mehr überdrehtes Material wie die vor Schmalz triefende Nummer „In the heart of the young“, welche zudem kurz an Roxettes „Listen to your heart“ erinnert, stimmliche Akrobatik wie sie in „Atlantis“ angewandt wird und einem Justin Hawkins (Ex-The Darkness) alle Ehre macht oder herrlich klassische Gitarrenduelle („Glitter and bombs“) hätten es ruhig sein dürfen. Stattdessen offerieren die Briten stets das selbe Bild mit etwas anderen Farbtönen und das reicht nun mal nicht aus um vollends zu überzeugen. Wenn The Morning After an ihrem latenten Hang zur Übertreibung im musikalischen Sinne arbeiten und öfter aufs Gaspedal treten, klingen sie vielleicht nicht mehr wie eine x-beliebige Metal-Compilation wie sie beinahe jeder Musikzeitschrift beiliegt, sondern nach einer eigenständigen Truppe, die einen einzigartigen Stil hat. Wir sind jedenfalls gespannt!

Anspieltipps:

  • Atlantis
  • Lost In Time
  • In The Heart Of The Young

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