K.I.Z. - Sexismus Gegen Rechts - Cover
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K.I.Z. Sexismus Gegen Rechts


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Sexismus gegen Rechts“ beziehen Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft zumindest teilweise Stellung, indem vermehrt ernstere Themen angesprochen werden.

Spätestens mit dem Vertriebspartnerwechsel zu Universal Music und der Veröffentlichung von „Hahnenkampf“ (2007) haben sich die Kannibalen in Zivil als eine der verdienten Größen im deutschen HipHop etabliert. Mit ihrer vollkommen überdrehten Version des „Gangsterraps“ persiflieren sie nicht nur gewisse Möchtegern-Musiker aus Berlin, sondern schlagen hin und wieder auch ernstere Themen – z.B. in Form von Gesellschaftskritik – an und stellen somit eine der wenigen Alternativen im deutschen Mainstream-HipHop dar. Die zum großen Teil von Sexismus und Gewaltverherrlichung geprägten Texte erfahren dabei durch die augenzwinkernde Präsentation und den enorm erfinderischen Wortwitz ihre Legitimierung. Aus diesen Gründen sind K.I.Z. auch nicht nur bei der üblichen Rap-Klientel beliebt, so dass man auf Konzerten schon mal Besucher mit auffallenden Irokesenhaarschnitt sieht.

Mit „Sexismus gegen Rechts“ beziehen Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft zumindest teilweise Stellung, indem vermehrt ernstere Themen angesprochen werden, aber im Vergleich spielt Politik weiterhin eine untergeordnete Rolle. Grunzend und wie immer freundlich empfangen sie uns in „Lass die Sau raus: „Ich wache morgens auf, tosender Applaus, stell mich vor deine Mutter, knöpf' die Hose auf“. Es fällt sofort der momentan allgegenwärtige Electrosound auf, der sich durch das gesamte Album zieht, was zuweilen leider auch zu recht inspirationslos wirkenden Beats führt („Die kleinen Dinge“).

Es fehlen stellenweise die grandiosen Ideen wie der verruchte Bar-Jazz aus „Der Schöne und das Biest“ (von „Hahnenkampf“). Deshalb sticht der fröhliche hüpfende Sommersonnen-Beat von „Halbstark“ hervor, bei dem das Original von den Yankees mächtig durch den Kakao gezogen wird, oder der luftig-lockere Funk-Abschluss im Stück „Straße“, das viel besser an den Anfang der Platte gepasst hätte: „Hahnenkampf ist zwei Jahre her und die Kohle ist alle, jeder meckert, unser nächstes Album dauert zu lange. Man könnte Faulheit oder keine Lust mehr auf's rappen vermuten, doch wir haben einfach zu viel zu tun mit Mülltonnen nach Essen durchsuchen“.

K.I.Z lassen es insgesamt etwas ruhiger angehen: Mitgröl-Stampfer wie „Hahnenkampf“ oder „Spasst“ sucht man vergebens, was insbesondere in der allgemein etwas gemäßigteren zweiten Hälfte bemerkbar ist. Dennoch fügen sich die leichten Stilkorrekturen gut in den K.I.Z.-Sound ein, das Klavier von „Selbstjustiz“ oder „Gute alte Zeit“ zum Beispiel passt ausgezeichnet zu den Electro-Beats. Letztgenannter löst dann auch das Versprechen zu mehr Ernsthaftigkeit ein – K.I.Z. rappen über ihre Vergangenheit und Jugend. Der zu erwartende zynische Kommentar zur Wirtschaftskrise ist dann in „Rauer Wind“ zu hören: „Gott, wenn du mich hörst, sag mir ob es einen Himmel gibt für Banker“. Die drei Rapper fungieren außerdem immer öfters als Sänger, wie bei der ersten Single „Einritt“, hier wieder mit der typischen K.I.Z.-Lyrik: „Ich blas mir einen seitdem man mich klonen konnte! K.I.Z. - das coolste, seit der Atombombe!“

An den Künstlern im Zuchthaus werden sich weiterhin die Geister scheiden – ob das nun intelligente Wortakrobatik oder seelenlose Provokation ist muss jeder selbst wissen – doch das wird ihrem Erfolg wohl erst einmal kein Ende bereiten. Im vierten Anlauf legen sie ein etwas ruhigeres Album vor, das den Hahnenkampf gegenüber den Vorgängeralben zwar verliert, aber weiterhin herrlich überspitzten schwarzen Humor bietet. Jedoch wird auf „Sexismus Gegen Rechts“ verbal nicht mehr ganz so heftig über die Stränge geschlagen und mehr Tiefe geboten. Mit oftmals gesungenen Hooks und lässigeren Beats wird das Album immer noch zu einem gutem mit wenigen qualitativen Ausfällen („Straight outta Kärnten“), aber auch wenigen echten Highlights.

Anspieltipps:

  • Selbstjustiz
  • Halbstark
  • Preisschild
  • Straße

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