Eryn Non Dae - Hydra Lernaia - Cover
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Eryn Non Dae Hydra Lernaia


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik kann Leben retten. Oft genug gibt es Situationen, wo gut gemeinte Ratschläge von Menschen, die einem etwas bedeuten, kategorisch missachtet werden und stattdessen eine beinharte Thrash oder Death Metal-Scheibe den Platz des Seelentrösters einnimmt. Schließlich muss der ganze aufgestaute Frust irgendwo hin und Wut, die in Musik kanalisiert wurde, eignet sich meistens hervorragend um die eigene kaputte Welt gleich mit ganz anderen Augen zu sehen. Was Filmregisseure aufgrund der Art des Mediums dazu verdammt, meist in einer gewissen Eindimensionalität gefangen zu sein, ist bei der freiesten aller Kunstformen, wo ein paar Gleichgesinnte aus ihren Instrumenten Emotionen und Gefühle zu Tage fördern, durch die verschiedenen individuellen Interpretationsansätze an keine allgemein gültigen Gesetze gebunden.

Wenn die Töne, die aus den Boxen kriechen, klingen als würden sie aus den tiefen Niederungen der Hölle entstiegen sein, dann ist es mit dem Trösten allerdings vorbei und die destruktive Seite der Musik macht sich bemerkbar. Die früher unter dem Namen END. firmierende Truppe Eryn Non Dae hat mit ihrem Debüt „Hydra Lernaia“ genau so eine bitterböse und abgrundtief hässliche Platte geschaffen. Nein, diese Stakkato-Riffs, ausgekotzten Schreie und dröhnenden Bassschleifen wollen dich nicht umarmen, wollen keine versöhnliche Stimmung generieren und schon gar nicht will dieses Machwerk nach dem ersten Hördurchgang weggelegt werden. Das der lernäischen Hydra aus der griechischen Mythologie nachempfundene Oeuvre mit seinen ebenfalls neun bissigen und scharfzüngigen Auswüchsen ist der Lebenspartner, der dich pausenlos drangsaliert, schlägt, piesackt und verstößt. Eine reine Hassbeziehung, von der man nicht wegkommt.

Die fünf Franzosen Mathieu Nogues (Gesang), Franck Quintin (Gitarre, Gesang), Yann Servanin (Gitarre), Mickael André (Bass) und Julien Rufié (Schlagzeug) bieten das Pendant zu Panteras „Vulgar display of power“ an, nur ohne Melodien und klare Gesangslinien. Es herrscht reine Aggression, Trauer, Schmerz, Hass und Leid. Das in der Mitte platzierte Instrumental „Lam tsol oua“ ist zwar als Ruhepol konzipiert, doch auch dort regiert Unruhe und eine nervöse Atmosphäre. Die kranke, unwirtliche Welt, die Eryn Non Dae dem Hörer präsentieren ist zwar an die rhythmisch orientierten Kompositionen von Meshuggah oder Mnemic angelehnt, doch diese stilistischen Parallelen greifen angesichts der eigenständigen Wirkung, die „Hydra lernaia“ entfacht, einfach nicht. Hier hat der Wahnsinn die Oberhand und trotz schwer verdaulicher, scheinbar unkontrollierter Noise-Attacken im Post Hardcore-Mantel, hat der Fünfer diesen gordischen Knoten stets im Griff und lässt ihn nie außer Kontrolle geraten.

Dieser musikalische Brocken ist daher eigentlich jedem zu empfehlen, der eine einzigartige Erfahrung erleben will, wo eine ganzheitliche Aufschlüsselung stufenweise vonstatten geht. Anfänglich noch abgeschreckt und angewidert von der puren Härte und dem kalten Klangbild, stellt sich nämlich ab einem gewissen Zeitpunkt ein Verständnis für die kompromisslose Darbietung des französischen Acts ein und plötzlich macht selbst das lauteste, abgedrehteste und anstrengendste Puzzleteil Sinn und „Hydra lernaia“ wird zu einem schillernden Gesamtkunstwerk, dessen Schönheit man anfangs nicht für möglich gehalten hätte. Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wie wollen Eryn Non Dae das noch toppen?

Anspieltipps:

  • Blistering Hate
  • Existence Asleep
  • Opposites From Within
  • The Decline And The Fall

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