Jennifer Rostock - Der Film - Cover
Große Ansicht

Jennifer Rostock Der Film


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 46 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch unter Berücksichtigung von drei, vier schwächeren Titeln ist Jennifer Rostock ein würdiger Nachfolger ihres stürmischen Debüts geglückt.

Bei Jennifer Rostock läuft es richtig gut. Die Wahl-Berliner Band (Alex an der Gitarre, Joe Müller an den Keyboards, Christoph am Bass, Baku an den Drums und Jennifer Weist am Mikro) hat ihre Lücke in der deutschen Musikszene gefunden und sich darin zwischen Wir Sind Helden und Silbermond mit einem spritzigen Neo-NDW-Pop-Punk-Sound eingenistet. Ihr 2008er Debütalbum „Ins offene Messer“ stellte zwar kein kommerzielles Erdbeben dar (höchste Chartposition: Platz 31), wurde aber durchgehend mit Wohlwollen aufgenommen und besonders live abgefeiert.

Jetzt hat das Quintett den Nachfolger am Start, für den sich die Band wahrlich Großes vorgenommen hat – Majorlabel-Budget sei Dank! Ein Jahr lang war der österreichische Filmemacher Hannes Rossacher, der zusammen mit Rudi Dolezal unter dem Namen DoRo Videoclips und Dokumentationen u.a. für Queen, Falco, Westernhagen, Michael Jackson und Bon Jovi produzierte, ständiger Begleiter von Jennifer Rostock, um eine Dokumentation über „das Leben zwischen Studio, Tourbus und dem täglichen Irrsinn des Rock’n’Roll“ zu drehen. Herausgekommen ist eine 90-minütige Doku, die im Herbst dieses Jahres Premiere feiern soll.

Passend dazu haben Jennifer Rostock ihr Album auf den Namen „Der Film“ getauft und die 13 neuen Songs in die Form eines imaginären Soundtracks gegossen – inkl. Vor- und Abspann sowie Artwork in Blockbuster-Optik. Den Begriff Konzeptalbum sollte man dennoch nicht in den Mund nehmen, denn dazu ist der rote Faden etwas zu dünn ausgefallen. Dafür glänzt „Der Film“ wie schon der Vorgänger wie ein großer Pop-Punk-Rock-Eintopf mit höchster musikalischer Abwechslung. So startet das Album mit dem treibenden „Wieder geht’s von vorne los“, das von groovenden Bässen und herrlich nervösen Keyboardklängen dominiert wird. Im folgenden „Leben auf Zeit“ drängt sich die E-Gitarre in den Vordergrund und gibt einen aggressiven Ton an.

Ein schönes Beispiel für die ab und zu recht schrägen Texte, liefert der Elektro-Rocker „Mach mich nicht verliebt“, während „Wo willst du hin?“ in Sachen radiotauglicher Balladen den Kollegen von Silbermond in nichts nachsteht. Na ja, und weshalb „Du willst mir an die Wäsche“ als erste Singleauskopplung ausgewählt wurde, muss auch nicht erst lange erraten werden. Ist doch klar: Mit einem „Du, du, du, du“-Refrain bleibt gar nichts anderes übrig. Dagegen kommt „Schmutzig! Schmutzig“ als feiner Elektro-Punk daher und das von Minute zu Minute stärker aufbrausende „Nenn mich nicht Jenny“ endet zum Schluss in einer wahren Brüllorgie.

Auch unter Berücksichtigung von drei, vier schwächeren Titeln ist Jennifer Rostock ein würdiger Nachfolger ihres stürmischen Debüts geglückt. Es scheint zwar so, als hätte die Band ihren Sound etwas mehr in Richtung Kommerz und Hitparade gebügelt – ihre Authentizität hat sie dafür aber nicht aufs Spiel gesetzt. Und das ist auch gut so!

Anspieltipps:

  • Paris
  • Leben auf Zeit
  • Irgendwo anders
  • Wo willst du hin?
  • Nenn mich nicht Jenny

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Sechs
  • 2018    
Diskutiere über „Jennifer Rostock“
comments powered by Disqus