Augury - Fragmentary Evidence - Cover
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Augury Fragmentary Evidence


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem kanadischen Montreal kommt mit Augury eine Offenbarung für die Metal-Landschaft. Pat Loisel (Gitarren und Gesang), Mathieu Marcotte (Gitarren), Dominic „Forest“ Lapointe (Bass) und Antoine Baril (Schlagzeug) entfliehen bewusst jeglicher Schublade und erheben den extremen Metal auf ihre Art in ganz neue Sphären. Für unaufgeklärte Neulinge ist der erste Eindruck beim Hören des nunmehr zweiten Albums „Fragmentary Evidence“ zunächst einfach nur seltsam. Da ist diese sich in den Vordergrund drängende Bassgitarre, wo man denkt, jemand habe im Studio am falschen Regler gedreht. Gleichzeitig fällt die Komplexität der Songstrukturen auf und bald wird klar, dass ein Werk von Augury ein mächtiger Brocken ist, den es zu erforschen gilt.

Gefährliches Growling und walzende Gitarren, unterfüttert mit Blastbeats, so wie man es auf der CD hört, lassen auf Death Metal schließen. Doch Death Metal ist nicht gleich Death Metal. Was Augury fabrizieren nennt sich gemeinhin Technical Death Metal oder Tech Death, eine Variante mit Prog-Rock-Einflüssen. Ja, das passt. Als bekannte Vertreter dieser Stilrichtung gelten z.B. Death, Cryptopsy und Beneath The Massacre. Aber bei keiner dieser Bands sind die verschiedenartigen Einflüsse so ausgeprägt wie bei Augury, und das macht Laune. Die vier Herren machen ihren ganz eigenen Cocktail, angereichert auch mit klassischen und mittelalterlichen Nuancen, klar gesungenen Passagen und gesellschaftskritischen sowie spirituellen Themen in den Texten. Doch, wie die Band auf ihrer Website so schöne schreibt: „Yet, there is no keyboard, no fake vampire image and a totally different lyrical concept.“

Somit knallen uns Augury neun anspruchsvolle Kracher um die Ohren, von denen eigentlich jeder eine kleine Wundertüte für sich ist, mit viel Atmosphäre und ohne klare Schwächen. Das macht es auch schwer, Anspieltipps zu geben. Empfehlenswert sind vielleicht der Opener „Aetheral“, unter anderem wegen der verdammt coolen, irgendwie jazzigen Einlage in Form eines kurzen Bass-Schlagzeug-Solos, „Sovereigns Unknown“ für die Viking-Metal Atmosphäre und „Brimstone Landscapes“ für die großartigen Gast-Vocals.

Die Musik dieser Band mag vielleicht schwer zugänglich und etwas anstrengend wirken, aber mindestens nach einigen Hördurchgängen überwiegt die Faszination. Nach dem Debütalbum „Concealed“ (2004) verzichtete man weitestgehend auf weiblichen Gastgesang und sorgte stattdessen für die Entfaltung des hauseigenen Sängers und einen insgesamt deutlich fetteren Sound. (Produzent war diesmal übrigens Jean-Francois Dagenais, Gitarrist bei Kataklysm.) Beide bisherige Alben lohnen sich auf jeden Fall. Außerdem lohnt es sich, an Augury dran zu bleiben, denn diese Jungs sind genial und haben zum Zeitpunkt dieser Albumbesprechung noch nicht den Bekanntheitsgrad, den sie verdient haben.

Anspieltipps:

  • Aetheral
  • Sovereigns Unknown
  • Brimstone Landscapes

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