Daughtry - Leave This Town - Cover
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Daughtry Leave This Town


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 46 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Leave This Town“ ist klinisch rein, keimfrei und mit Vaseline eingeschmiert und damit ein Gruselkabinett für alle Menschen, die Musik mit Leib und Seele lieben.

Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2007 schoss die US-Band Daughtry sogleich den Vogel ab: Es war und ist das am schnellsten verkaufende Rockdebüt der amerikanischen Charts-Geschichte, es beinhaltet drei US-Nummer-1-Singlehits und erhielt bis dato Fünffach-Platin. Damit ist man im heutigen Musikzirkus eine richtig große Nummer und der Druck auf die Band gestaltet sich mit dem sehnlichst erwarteten Zweitwerk entsprechend hoch. Dieses liegt nun vor und trägt den Namen „Leave This Town“. Es präsentiert Daughtry in neuem Line-Up mit Joey Barnes (Drums), Josh Paul (Bass) und den Gitarristen Josh Steely und Brian Craddock und wurde wiederum von Howard Benson (The All-American Rejects, My Chemical Romance, Motörhead) produziert.

Offenbar als Nummer-Sicher-Maßnahme holten sich Daughtry massive Verstärkungen aus dem Mainstream-Rock-Zirkel als Co-Songwriter ins Boot. So war der röhrende Nickelback-Fronthirsch Chad Kroeger ebenso an zwei Songs beteiligt („Life after you“, „No surprise“) wie SR-71-Mastermind Mitch Allen („Learn my lesson“, „Ghost of me“). Dazu stammt der Track „Open your eyes” aus einer Session mit dem Ex-Evanescence-Gitarristen Ben Moody. Als Bonus geistern in der Rückhand zudem „On the inside“ in Kooperation mit Freund und Schmusebarde Richard Marx sowie „Long way“ aus einer Zusammenarbeit mit Lifehouse-Boss Jason Wade herum. Das hört sich mächtig an, doch wie lange ist es her, dass die Herren Moody, Allen, Marx und Wade einen Hit gelandet haben? Eben! Und so kommt es, wie es kommen musste.

„Leave This Town“ ist ein einziges Armutszeugnis und ein künstlerischer Totalausfall! Hier funktioniert und gefällt rein gar nichts. Zusammengehalten von einer schrecklich aufdringlichen Dicke-Hose-Produktion werfen Chris Daughtry und Co. ein Dutzend ausgelutschter Arrangements mit erschreckend schwachen Refrains und Melodien sowie nichtssagenden 08/15-Texten in die Waagschale. Platter und austauschbarer geht’s nimmer. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern unfassbar, was dem Hörer hier für eine Grütze serviert wird. Gefühle aus dem Textbaukasten, Melodien von Rudis Resterampe – wer, bitteschön, hat diese Albumveröffentlichung abgenickt?!

„You don’t belong“ macht ordentlich Druck und das Riffing suggeriert Härte. Beide Details können aber nicht kaschieren, dass der Song wie der x-te Aufguss von ein- und demselben Hardrockschema klingt. „No surprise“ und „Life after you“ sind auf Anhieb als Chad-Kroeger-Kompositionen zu identifizieren – allerdings nicht aus der obersten Schublade. Eingängige Rummelplatzmelodien und eine alles plättende Produktion sind eben nicht alles! Und so geht es Stück für Stück Berg ab. „Everytime you turn around“ klingt wie vom vorletzten Live-Studioalbum „Birds Of Prey“ geklaut – also maximal mittelmäßig, „What I meant to say“ und „Open up your eyes“ sind widerliche Schlager-Rocksongs mit fettem Zuckerguss und „September“ sowie „Learn my lesson“ gehören zu der Art von Breitwandballaden, auf die sich alle US-Radiosender tierisch freuen, weil sie genau das vorgaukeln, was die Bewohner dieses Landes mit endloser Freiheit und Rock’n’Roll in Verbindung bringen. Leider ist hier alle nur Fake!

Fazit: „Leave This Town“ ist klinisch rein, keimfrei und mit Vaseline eingeschmiert und damit ein Gruselkabinett für alle Menschen, die Musik mit Leib und Seele lieben.

Anspieltipps:

  • No surprise
  • Ghost of me
  • Tennessee line

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