Jonsi & Alex - Riceboy Sleeps - Cover
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Jonsi & Alex Riceboy Sleeps


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 68 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Jon Thor, oder einfach Jónsi, Birgisson ist wesentlicher Bestandteil der isländischen Ausnahmeformation Sigur Rós, prägt doch sein engelsgleicher Gesang die Stücke der weltweit Erfolge feiernden Band. Nicht nur die sphärische, im Laufe der Jahre mit mehr Pop als ausgiebigen Traumlandschaften ausgestattete Musik steht für Sigur Rós, auch das liebevolle Artwork samt Zeichnungen und Malereien ist ein Markenzeichen der Isländer. So ist es nur folgerichtig, dass Jónsi zusammen mit Alex Somers seit gut drei Jahren Ausstellungen inszeniert und Teile auch in einem Buch verewigt wurden. Genau entgegengesetzt zu Sigur Rós, aus deren musikalischem Umfeld optische Kunstwerke in die Galerien fanden, entsteht nun aus der Bilderkunst von Jónsi und Alex die Musik von „Riceboy Sleeps“.

Ihr Beitrag zur Benefiz-Compilation „Dark Was The Night“ war „Happiness“ und genau dieser zehnminütige, zart erobernde Tropfen sehnsüchtiger Glückseligkeit eröffnet das Debütalbum von Jónsi & Alex. Ein Album, auf dem selbstredend das Pop-Format in Songaufbau und -länge nicht zu finden ist, Rhythmen höchstens aus dem Rauschen der Wellen bestehen und ansonsten sphärische Welten erklommen werden, denen manche den Begriff „Ambient“ geben. Dieser klingt eigentlich zu beliebig im Vergleich zu dem, was Jónsi & Alex aka Riceboy Sleeps hier in über einer Stunde mit viel, viel Leidenschaft und Liebe zum Detail an die Hörerschaft weitergeben. Man ist geneigt, Worte Worte sein zu lassen und sich in den Klängen aus Chorgesängen, Tiergeräuschen, Atem, Meeresrauschen und Piano sowie Elektronik zu verlieren.

In den ersten zwei Minuten von „Happiness“ schwellen die mit Verzerrung und Hall bespickten Synthesizer-Sounds langsam an, ergänzt um kurze Streicher-Einblendungen und formen sich im weiteren Verlauf zu einer prächtigen Dringlichkeit, die sich vor allem durch die prägnanter werdenden Streicher entfaltet. Von Tragik bis Euphorie und schier endloser Sehnsucht reicht die Gefühlspalette, deren Musik im letzten Drittel des Stückes zu einer Geräuschcollage aus der Natur übergeht. Nur schwer zu beschreiben, dringen diese Collagen, die immer wieder die klassischen Strukturen aufbrechen, tief in das Innerste vor.

Wenn bei „Boy 1904“ der Kopavogsdaetur Chor den verharrenden Klangteppich ergänzt oder „Daniell In The Sea“ Sounds vom Knistern eines Feuers und entrückt wirkende Atemgeräusche als gemächlichen Takt einsetzt, so fügt sich das alles höchst atmosphärisch und spannend zusammen, wobei die Hall-Effekte stark zu diesem verbindenden Umstand beitragen. Es bleibt nicht mehr allzu viel zusagen, außer dass sich all´ diese der Umwelt entnommenen Samples, die Elektronik, die Streicherformation Amiina und der Chor zu etwas Großem unter der Leitung von Jónsi & Alex entwickeln, das noch nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Anspieltipps:

  • Happiness
  • Indian Summer
  • Boy 1904
  • Sleeping Giant

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