Julian Plenti - Julian Plenti Is Skyscraper - Cover
Große Ansicht

Julian Plenti Julian Plenti Is Skyscraper


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl man in der Presseinformation noch von einem gewissen Paul redet, der als Frontmann einer bekannten Band agiert und damit galant den direkten Weg zu Julian Plenti umschifft: Unter diesem Pseudonym erscheint nun das Solo-Album des - es dürfte sich eh schon herumgesprochen haben - Interpol-Kopfes Paul Banks. „Julian Plenti Is Skyscraper“ ist nicht zwingend als Frischzellenkur nach drei überaus erfolgreichen Interpol-Alben und jeder Menge Tourstress zu sehen, denn schon lange vor dem Debüt „Turn On The Bright Lights“ (2002) der Amerikaner spielte deren späterer singender Gitarrist akustische Solo-Shows in und um Manhattan. Dann kam die „Pause“, die Julian Plenti alias Paul Banks mit Band verbrachte und sich nun mehr oder weniger solo zurückmeldet. Er entdeckte helfende Produktions-Software und setzt nun das fort, was 1996 noch recht verhallten begann.

Ergänzt um Charles Burst als Toningenieur und Drummer, Interpol-Kollege Sam Fogarino am Schlagzeug, Gitarrist Mike Stroud (Ratatat) und Striker Manley von Stiff Jesus ist es also nicht ausschließlich ein Werk, welches schlicht Plentis Akustik-Songs mit Beats und Programming aufpoliert ins rechte Licht rückt. Das merkt man schon dem Opener „Only If You Run“ an, der mit seltsam blechern klingenden Schlagzeug-Takt und geschmackvoll eingestreuten elektronischen Beats samt des unverkennbar hymnischen Gitarrenspiels einen guten Einstand darstellt. Nah an Interpol wird spielerisch und abwechslungsreich dem melancholischen Indie-Rock gefrönt, an dem lediglich der dünne Schlagzeugsound stört, dafür aber mit netten Synthesizer-Verzierungen den Spaß unterstreicht, den Herr Plenti schon bei Song 1 versprüht. „Fun That We Have“ pendelt sich im Midtempo-Bereich ein und groovt mit seinen Rhythmuswechseln beachtlich. Während die Gitarre den hymnischen Part übernimmt, triumphierend zum Refrain ansetzt, wird der Song durch psychedelische Synthesizer ausgebremst. Man erwartet die typische Interpol-Hymne, bekommt diese auch bis zu einem gewissen Grad serviert und wird liebevoll mit überraschend verstörenden Sounds auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Dieser ist dann auch keinesfalls steinig, sondern wohlig ausgelegt. So wie man es erwarten konnte, kommt man ohne Umschweife durch den typischen Gesang und den Gitarrensound auf die Hauptband von Julian Plenti. Das macht jedoch nur einen verhältnismäßig kleinen Teil von „Julian Plenti Is Skyscraper“ aus und so erfreut man sich unter anderem am Akustik-Pop des Titeltracks, saugt Klavier, Streicher und Sprachsamples bei „Madrid Song“ auf, gibt sich dem kleinen Hit „Games For Days“ hin, der sich nahtlos in jedes Interpol-Album gefügt hätte und wird vom orientalischen „H“ nach draußen begleitet. So ist dieses Solo-Werk absolut lohnenswert und begleitet einen dank der Konstanten aus Klavier, Gitarre und Streichern mit sicherer Hand, die so manche Erfrischungen erfährt. Wie man trotz Gast-Schlagzeugern so einen billigen Drumsound hinbekommt, der anscheinend nicht aus der Konserve kommt, ist dann allerdings schon skeptisch zu sehen, so sehr einen die Songs auch bewegen können.

Anspieltipps:

  • Fun That We Have
  • Skyscraper
  • Games For Days
  • Girl On The Sporting News

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Julian Plenti“
comments powered by Disqus