Everlaunch - Suburban Grace - Cover
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Everlaunch Suburban Grace


  • Label: Mightytainment/ALIVE
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Quartett präsentiert keinen zweitklassigen Schrammel-Rock aus bunt zusammengeklauten Ideen ohne eigene Identität, sondern mit Liebe zum Detail komponierte Songs.

Schon lange vor der allgemeinen Wirtschaftskrise schlitterte die Musikbranche in ihre eigene Krise. Wenigstens ein Wirtschaftszweig, der Übung im Umgang mit der aktuellen Situation hat, möchte man meinen. Aber nichts da! Die Musikindustrie konnte sich bis heute nicht aus der misslichen Lage befreien und hat nicht mal ansatzweise vernünftige Ideen entwickelt, wie das zukünftig klappen könnte. Alle wurschteln irgendwie vor sich hin, beklagen sich über immer kleiner werdende Budgets und wissen mit einer Newcomerband wie Everlaunch nichts anzufangen. Eine Schande!

Ist es etwa ein Problem, dass Everlaunch alias Patrick Hoke, Thorsten Finner, Sönke Jäger und Andreas Ott aus der norddeutschen Provinz in Rotenburg an der Wümme stammen, keine klassischen Coverboys sind und dass ihre von britischen Einflüssen geprägte Pop/Rockmusik kein unbedingter Kandidat für Goldene Schallplatten ist? Wo sind der Wille, eine vielversprechende Band „zu breaken“, der Mut zur Lücke und die Leidenschaft für heimische Musik geblieben? Solche Nebensächlichkeiten haben früher auch niemanden interessiert. Doch scheinbar will die Welt verarscht werden. Deshalb, als kleiner Tipp: Klebt das Label einer Major Company auf das Album, denkt euch eine Geschichte vom „Next big Thing“ von der britischen Insel aus und die Öffentlichkeit würde sich – angeführt von der Presse – auf Everlaunch stürzen. Man könnte ja sonst etwas verpassen. Aber warum sollte es nicht auch ohne konstruierten Insel-Hype gehen? Das Potenzial dazu ist bei Everlaunch definitiv vorhanden.

Das Quartett präsentiert auf „Suburban Grace“ keinen zweitklassigen Schrammel-Rock aus bunt zusammengeklauten Ideen ohne eigene Identität, sondern mit Liebe zum Detail komponierte Songs, in denen sich neben der üblichen Band-Instrumentierung auch Streicher, Wurlitzer Orgel, Saxophon wiederfinden. Man merkt den Stücken die jahrelange Liveerfahrung sowie den Kleinstadt-Background der Musiker an, was das Label-Info gut nachvollziehbar als „Vorstadt-Tristesse, deren äußerliche Hässlichkeit und Melancholie nach Schönheit, Sehnsucht, Mut und Neugier auf die Welt verlangt“ beschreibt. Dabei stehen Pop und Rock gleichberechtigt nebeneinander und ergeben eine stimmige Melange, die – und damit sind wir dann doch wieder auf der britischen Insel angelengt – wie eine Mischung aus Placebo und Snow Patrol klingt. Und das sind ja nicht die schlechtesten Vergleiche, nachzuhören in tollen Songs wie „Seesaw“, „Car crash weather“ und „Stop the clocks“. Kleinstadtmief ist das jedenfalls nicht. Deshalb: Gerne mehr davon!

Anspieltipps:

  • Seesaw
  • Waiting
  • Isolation
  • Stop the clocks
  • Car crash weather

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