Fagget Fairys - Feed The Horse - Cover
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Fagget Fairys Feed The Horse


  • Label: Music For Dreams/EDEL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich dürfte es heutzutage niemanden mehr schocken, wenn Musiker auch privat ein Paar sind. Auch gleichgeschlechtliche Paare sind für den geneigten Hörer kein Problem mehr und die Magazinberichte über das russische Duo T.a.t.u. wirken heute nur noch spießig und peinlich. Dass es anscheinend aber immer noch genug Leute gibt, die meinen diesen Fakt Leuten aufzubinden oder aufgebunden bekommen zu müssen, beweist nicht zuletzt das dänische Elektro-Duo Fagget Fairys. Bevor man zu den Beats und Melodien kommt, die Dänemark zur Zeit fesseln, muss erst einmal breit getreten werden, dass die beiden Frauen Elena Carli Cosovic (MC Ena) und Carla Cammilla Hjort (DJ Sensimilla) ein Paar sind. Und was ist mit der Musik?

Während man momentan gerne mal in wummernden Bassschlägen untergeht, sind die Fagget Fairys der Gegenpol. Rhythmen, die ohne allzu kräftige, dafür präzise Schläge auskommen. Dass die beiden wissen, was sie tun, beweist zumindest Carlas Erfahrung als DJ. Die zwölf Jahre jüngere Elena ist selber eher Clubgängerin gewesen, bis sie, in eben einem diese Clubs, ihre Liebe in Carla und ihrer Musik fand. „Roll The Dice“ macht schnell deutlich in welche Richtung es gehen soll. Keine Möchtegern Elektromusik, wie Lady Gaga sie zur Herrschaft der Charts nutzt, sondern rassige Melodien für den verrauchten Club. Ein solider Song mit starken, dezenten Rhythmen und die Vorliebe der Soundscapes, die Carla und ihre Partnerin bevorzugen wird auch gleich klar. Anstatt klatschender Töne, klingen unterdrückte Elektro-Keyboard-Sounds, wie auch oft bei Mr. Oizo zu hören.

Wer für die eigentliche Frische sorgt, denn „All I Want“ unterscheidet sich nur geringfügig von der ersten Nummer, ist der Frischling Elena, die mit ihrem schnellen, sprachenübergreifenden Gesang (englisch und bosnisch) die Masse verzaubert. In genanntem Song noch eher als Rapperin, im betörenden, mit Balkanflair angehauchten „OÇi“ dann auf bosnisch als Sängerin mit beinah folklorischer Ader. Es bleibt Carla zu wünschen, dass Elena so ein guter Partner im Privatleben ist, wie als musikalischer Partner. Fremdeinfluss wirkt einfach immer gut, was Clubmusik angeht. Das bewisen so Cafe Del Mar, Bajofondo und viele andere. Dann geht es allerdings wieder zur „normalen“ Partymusik über. „Watch My Back“ sorgt allerdings auch gleich wieder für Partystimmung. Es fehlt zwar weiterhin, an einer gewissen Prise Abwechslung, doch die Qualität siegt. So ist es nahezu unmöglich ruhig zu bleiben, während die gezielten Rhythmen des dänischen Duos auf einen niederprasseln.

Der einzige Schwachpunkt des Albums scheint das Herz des Albums: das neunminütige Stück „Negori“. Hier wäre Kompression das Beste, denn neun Minuten Reduktion sind wirklich nicht jedermanns Sache. Phasenweise wirklich immer wieder toll anzuhören, folgen eintönige Passagen. So allerdings nur beim ersten Hinhören. Danach zeigt sich der eindeutige Bogen des Stücks, der von Ruhe, Atmosphäre und Langlebigkeit profitiert. Die Minuten rauschen nur so an einem vorbei und man möchte die einzelnen Stellen gleich wieder hören. Was macht die Faszination der beiden Clubladys nun aus? Es scheint die Nähe zu sein, die sich zu Elenas Stimme aufbauen lässt, gemischt mit der soliden Musik Carlas, denn überragend sind die Arrangements nicht. Sie sind frisch und zeitgemäß, doch keinesfalls ein Meilenstein. Die Mischung macht den Spaß aus.

Eine klare, raue Frauenstimme hat einfach was. Das mag vielleicht sehr subjektiv klingen, doch wer etwas düstere Clubmusik mag, die ab und an mit osteuropäischen Einflüssen gewürzt wird (wie in „Uzmi“), der ist bei den beiden Dänen genau richtig. Kopenhagen mag ihren Stil ganz gewaltig und ehrlich gesagt, gibt es keinen ersichtlichen Grund, warum es hier nicht auch klappen sollte, auch wenn außer Frage steht, dass sie live und im Club um einiges mehr zu bieten haben, als auf Silberling.

Anspieltipps:

  • Watch My Back
  • OÇi
  • Feed The Horse

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