Behemoth - Evangelion - Cover
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Behemoth Evangelion


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Polen hacken alles in konzentrierter Maßarbeit zu kleinen Schnitzeln.

Reinrassiger Black Metal ist heutzutage nur mehr sehr schwer zu finden. Die unterschiedlichsten Genreverflechtungen und ein beständiger Veränderungswille führen zwar zu einem dichten Netz aus den gegensätzlichsten Spielarten des Metal und viele Bands wechseln zwischen zwei Alben den stilistischen Grundbaustein wie andere ihre Socken und legen den nach Innovation geifernden Metalheads ein paar äußerst anbetungswürdige Querschläger vor, aber gerade diese Trendwende lässt die Linien zwischen den Genres immer mehr verwischen, sodass halbherzig gegründete Schubladen mehr zu einer omnipräsenten Hilfestellung werden statt als nett gemeinte Kreationen Interesse zu schüren, wodurch sich bald niemand mehr die Mühe machen wird explizit nach z.B. Death, Black, Thrash oder Power Metal zu suchen, da ohnehin alles irgendwie vorhanden ist.

Bei Nergal (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Seth (Gitarre), Orion (Bass) und Inferno (Schlagzeug, Perkussion) gab es ebenfalls vor einiger Zeit eine Kurskorrektur, so schlimm wie oben angedeutet, dass man nicht mehr weiß was einen eigentlich erwartet, wird es bei den vier Herrschaften aus Polen aller Voraussicht nach aber nie werden, da sie sich als ehemalige Schwarzmetaller scheinbar zu gut in der Rolle als nunmehr geschwärzter Todesblei-Act gefallen. Jedenfalls hinterließen die letzten Alben einen ordentlichen Appetit nach mehr furiosen Gitarrensalven, unbarmherzigem Schlagzeuggepolter und der allgemein vorzüglich dargebrachten Atmosphäre, die es in dieser Form wohl nur bei etwas unchristlichen Messen gibt.

In dieser Hinsicht enttäuscht das neunte Werk der Polen keineswegs und Fans werden sich ob des gnadenlos anpreschenden Gewitters aus den höllischen Growls von Nergal, der rasiermesserscharfen Riffs und den knochenbrechenden und für jeden Besitzer eines Subwoofers stets in die Magengrube dreschenden Doublebassattacken, für die sich Drummer Prominski seinen Spitznamen Inferno redlich verdient hat, das manische Grinsen so schnell nicht aus dem Gesicht vertreiben lassen. Doch leider fallen bei Behemoths „Evangelion“ beim Hobeln mehr Späne als einem auf Dauer lieb ist und nach dem alles unter sich begrabenden Auftakt mit „Daimonos“ und „Shemhamforash“, der gezügelteren Darbietung „Ov fire and the void“, den beiden sowohl technisch als auch in ihrer Brutalität nachhaltig beeindruckenden Stücken „Transmigrating beyond realms ov Amenti“ und „He who breeds pestilence“, rauscht das letzte Drittel mit Ausnahme der im Midtempo gehaltenen Teufelsanbetung „Alas, the lord is upon me“ regelrecht gleichgültig an einem vorbei.

Beim Albumender „Lucifer“ geht das Schulterzucken sogar so weit, dass die mit Spoken Word-Einlagen, Chor- und Orchesterpassagen gefütterten 8 Minuten einfach nicht auf den Punkt kommen wollen und schlicht und ergreifend keineswegs den Abschluss bieten, nach dem einige der vorangegangenen Tracks verlangt haben. Von einer Enttäuschung zu sprechen wäre dennoch übertrieben, hacken die Polen schließlich alles in konzentrierter Maßarbeit zu kleinen Schnitzeln und legen mit „Evangelion“ eine Scheibe vor, die zwar keinen großen Langzeiteffekt besitzt, aber in den 42 Minuten, in denen sie sich im Player dreht, wenigstens nicht den Verdacht aufkommen lässt, die Dreiviertelstunde wäre verschwendet gewesen.

Anspieltipps:

  • Ov Fire And The Void
  • Alas, The Lord Is Upon Me
  • Transmigrating Beyond Realms Ov Amenti

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