Blakfish - Champions - Cover
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Blakfish Champions


  • Label: Hassle Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Arcitc Monkeys sind schon eine klasse Band, aber den harten und verrückten Rockern, sind sie dann doch mal zu poppig und mal zu straight (was eher auf ihr zweites Output bezogen werden sollte). Zwar sprießen Bands, welche dann bis zur Erbarmungslosigkeit gehyped werden nur so aus dem britischen Boden, doch so richtig kam in letzter Zeit keine Rockband an die besagten Affen heran. Wer sich nun wirklich eine harte Alternative zu diesen wünscht, der besuche bitte Birmingham oder den Plattenhändler des Vertrauens, um sich einen Eindruck von Blakfish zu machen. Diese Band ist Bullet For My Valentine ohne Valentine. Wenn es hier einmal poppig wird, dann im besten Falle an härtere Arctic-Monkey-Tracks vom Debüt erinnernd. Ansonsten werden Rhythmen variiert und miteinander verbunden, dass den Hörern, bis auf Mars Volta Fans, wohl schwindelig wird.

Wer jetzt schon ein flaues Gefühl in der Magengrube bekommt, sollte sich noch mal überlegen, ob er in diese zweiundvierzig durchgeknallten Minuten reinhören will. Leichte Kost gibt es woanders. Blakfish liegen noch beim zehnten Hören schwer im Magen und doch bekommt man nicht genug. „Economics“ zwigt auch gleich, warum das so ist. Die ersten zwanzig Sekunden walzen den Hörer gnadenlos nieder, um dann in eine völlig neue Melodie umzuschlagen, die zwar immer noch vom Shouting und der Gewalt lebt, doch durch komplizierte Riffs und Drumparts überrascht, bis im Refrain die unverkennbare Brit-Rock-Wurzel durchscheint. Damit ist natürlich nicht genug und schon wird in die nächste Melodie eingeschlagen (und drauf eingeschlagen). Völlig abgedreht und laut endet es dann und so sind mindestens drei Trackideen formidabel in drei Minuten verpackt worden.

Wer glaubt, dass die Adrenalinspritze mit der Aufschrift „Blakfish“ schon injiziert wurde, liegt falsch. Das war nur das erste von elf Milligramm. Schaut man sich einmal genüsslich die Tracklist an, erblickt man einen Titel, der verrückter ist, als der nächste. Diesen Titeln entsprechend, geht die Achterbahnfahrt gnadenlos weiter. „Ringo Starr“ bewegt sich von Hardcore über Power-Pop bis zu bekanntem Prog-Rock mit Metal-Beiklang, um am Ende in einer waschechten Chart-Pop-Melodie zu enden. Diese Jungs sind nun wirklich Schelme, denn ihre Songs sind vieles: Verrückt, abgebrüht und herrlich, doch bestimmt nicht massentauglich.

Den Hörer quer durch die Gehörlandschaften schicken ist natürlich noch nicht zwingend eine Großtat. Es geht auch darum, den Hörer zu verführen, weitere Male an der Fahrt teilzunehmen. Dazu sind Hooklines und gute Melodien von Nöten und der Wahnsinn bei Blakfish ist, dass ihnen das ungelogen pro Song mindestens (!!!) einmal gelingt. Dadurch, dass ausschließlich mehr als eine führende Melodie pro Lied vorhanden ist, kann man sich die Rosinen gerade so herauspicken, bevor das nächste Leckerli daherkommt. Es bleibt keine Atempause und wenn doch, dann bekommt man diese kaum mit. Ein „The Closer To The Bone, The Sweeter The Meat“ fesselt einfach nur von der ersten bis zur letzten Sekunde und lässt Gehör und Hirn beinah überlaufen.

Der konstruierte Wahnsinn wirkt manchmal schon zu durchstrukturiert, aber letztendlich bleiben Blakfish nur ihrer Linie treu und streuen so viele Linien wie möglich über wenige Minuten verteilt. Seltener ist es wirklich eingängig zu nennen, eigentlich nie. So überfordern Blakfish bestimmt viele Hörer, doch am Ende stehen unendlich kraftvolle Tracks, die auch beim zigsten Mal noch in einem neuen Licht erstrahlen und wenn Musik nicht das einen Kernpunkt seiner Selbst nennt, dann weiß auch der Rezensent nicht weiter. Ohne Umschweife und Übertreibung haben Blakfish mal eben ein neues, kleines Meisterwerk des britischen Prog-Rocks mit Hardcore-Note geschrieben. Ob das mit dem Titel „Champions“ Zufall war?

Anspieltipps:

  • Economics
  • The Closer To The Bone, The Sweeter The Meat
  • Scotland’s Worst Invention

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