Caspian - Tertia - Cover
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Caspian Tertia


  • Label: Make My Day/ALIVE
  • Laufzeit: 58 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Hauch von Nichts gleitet im zur Mitte Klavierbetonten Intro am Hörer vorbei, bevor er mittendrin im neuen Album der Post-Rocker aus Massachusetts, USA ist. Caspian sind wieder da mit ihrem neuen Werk, das den schlichten Titel Tertia trägt. Wieso eigentlich Drei? Es ist das zweite vollständige Album, neben zwei EPs, aber anscheinend wird die in Eigenregie herausgebrachte Tour EP nicht mitgezählt. Wie dem auch sei, der Vorgänger The Four Trees wurde von der Presse viel gelobt, konnte sich aber in meinem Wiedergabegerät nicht durchsetzen. Wird das diesmal anders sein?

Caspian ist eine instrumentale Band, die (meist) nicht auf ausufernde Längen und übermäßige Emotionen setzt. Sie verzichten auf komplizierte Geschichten und Konzepte, sie konzentrieren sich eher auf die einzelnen Kompositionen, in denen sie stets mehr Rock als Post auffahren. Das wird natürlich mit der nötigen Intensität ausgestattet, vor allem durch dichtes Gitarrengestrüpp und solides Schlagzeugspiel. Analogien findet man zu This Will Destroy You („Vienna“), Red Sparowes („The Raven“) oder allgemein zu Mogwai. Leider lässt die Produktion von Tertia zu wünschen übrig. Besonders transparent ist sie nicht und der Bass ist ab und an als einziges Dröhnen wahrnehmbar. Es bleibt die Hoffnung, dass das Endprodukt besser klingt als die vorliegende Promo.

Die Struktur des Albums fußt auf einem ständigen Wechsel zwischen härteren und seichteren Liedern, ein ständiges Auf und Ab, das dem Hörer weder den Dauertraumzustand erlaubt noch das ständige Mitwippen abverlangt. Das ist auch der Hauptunterschied zum Vorgänger, bei dem die ruhigen Momente eher eine Ausnahme darstellten. Leider fehlt es insbesondere den langsameren Stücken an Originalität. Sie plätschern vor sich hin ohne sich wirklich auf Dauer im Ohr einzunisten. Die härtere Gangart steht den Jungs einfach mehr zu Gesicht. Deshalb zählen auch „Ghosts Of The Garden City“, „Of Foam And Wave“ und „The Raven“ zu den besten Stücken des Albums. Sie besitzen die nötige Raffinesse um rockig, abwechslungsreich und eingängig zu sein. Gelungen ist ebenfalls das neunminütige „Sycamore“, das sich langsam zum Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss des Albums entwickelt, einem Schlagzeuginferno, bei dem drei Bandmitglieder gleichzeitig trommeln. Auf den Konzerten von Caspian kann man dieses Schauspiel bewundern, denn live sind die Amis wirklich mitreißend.

Wer allgemein die härtere Gangart beim Post-Rock mag, ist bei Caspian gut aufgehoben, sollte sich aber im Klaren sein, dass dieses Album nichts wirklich Neues bietet. Es ist zwar etwas besser als der Durchschnitt, aber Caspian versäumen es ihrer Musik das gewisse Etwas beizusteuern. Mehr Ausgefallenes aus dem Hause Post-Rock findet man in den aktuellen Alben von If These Trees Could Talk und And So I Watch You From Afar.

Anspieltipps:

  • Ghosts Of The Garden City
  • Of Foam And Wave
  • The Raven
  • Sycamore

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