Diverse - A Tribute To Die Fantastischen Vier - Cover
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Diverse A Tribute To Die Fantastischen Vier


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 141 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt etwas zu feiern! Denn in diesem Jahr ist es exakt zwei Dekaden her, dass vier schwäbische Jungs zum ersten Mal gemeinsam als Band auf einer Bühne standen und den Startschuss zu einer ungeheuer erfolgreichen Musikerkarriere gaben. Die Rede ist von Michi Beck, Thomas D, Smudo und And.Ypsilon – noch besser bekannt als „Die Fantastischen Vier“.

Da die Liste der Fanta-4-Erfolge nach 20 Jahren ganz schön lang ist, beschränken wir uns auf das, was Erfolg zähl- und messbar macht: Annähernd ein Dutzend veröffentlichte Alben und knapp 30 Singleauskopplungen, die zusammen mehr als sechs Millionen Mal verkauft wurden. Darüber hinaus waren es Die Fantastischen Vier, die HipHop/Rap in Deutschland hoffähig machten, auch wenn damals nicht absehbar war, was für eigenartige Kreaturen dieses Genre in Deutschland hervorbringen sollte. Die Verdienste der vier Benztown-Jungs liegen also auf der Hand.

Möchte man dieser Band nun angemessen Tribut zollen, gehört schon ein bisschen mehr dazu, als mal eben ein starbesetztes Album zusammenzuschustern, mit dem sich auf die Schnelle ein paar Euro machen lassen. Das war auch dem Fanta-4-Manager Andreas „Bär“ Läsker in weiser Voraussicht klar, der sich das Projekt mit fast drei Jahren (!) Vorlaufzeit auf die Fahnen geschrieben hatte. Läsker organisierte deshalb zum einen ein großes Open-Air-Konzert auf dem Cannstatter Wasen und rekrutierte mehr als 30 Musiker und Bands aus allen stilistischen Bereichen und fünf Jahrzehnten deutscher Musikgeschichte für ein karriereumfassendes Tribut-Album, auf dem es die Fantas zu covern gilt.

Unter den musikalischen Gratulanten befinden sich so illustre Künstler wie Juli, Xavier Naidoo, Peter Maffay, Scooter, Massive Töne, Thomas Anders, Karat, Sasha, Roger Cicéro, In Extremo, Pur, Fehlfarben, Max Mutzke und Oomph! sowie die Comedians Mario Barth und Dieter Nuhr. Diese Liste kann sich sehen und hören lassen, vor allem wenn man bedenkt, dass es für Nicht-HipHopper verdammt schwer ist, die Strukturen und Raps der Fantastischen Vier als Pop- oder Rocksongs zu rekonstruieren. So machen Revolverheld aus „Was geht 2009“ einen Rocksong im Megavier-Stil, Sebastian Krumbiegel von den Prinzen macht aus „Dicker Pulli“ eine tolle Stimmakrobatik-Nummer und Roger Cicero kann eh „nur“ swingen („Geboren“). In Extremo holen in „Yeah yeah yeah“ die Metal- und Dudelsack-Keule raus, die schwäbischen Landsleute von den Massiven Tönen reanimieren den „Picknicker“, Mamas Gun aus London präsentieren eine englischsprachige Version von „Die da!?!“ und die Phudys schroten sich durch „MfG“.

Bei insgesamt 36 Beiträgen und einigen Song-Doubletten („Geboren“, „Krieger“, „Die da!?!“, „MfG“, „Yeah yeah yeah“, „Sommerregen“) dürfte klar sein, dass nicht jede Interpretation das Gelbe vom Ei sein kann. Doch für solche Momente hat Gott die Skip-Taste auf der Fernbedienung erfunden. Gewisse Künstler polarisieren eben auch dann, wenn sie fremdes Material präsentieren. Dann zuckt es verdächtig im Finger und Thomas Godoj, Knorkator, Großstadtgeflüster, Oomph! und Karpatenhund dürfen die Bühne wieder verlassen.

Immer wieder witzig ist dagegen ein Auftritt von Scooter. Die Herrschaften von der Küste sampeln den größten Teil von „Troy“ ohne Änderungen und fügen lediglich ein fett bollerndes Beat-Gerüst zu ihrem genial-debilen „Wicked“-Gesabbel bei. Doch das reicht zumindest für ein Schmunzeln. Nicht minder kultverdächtig ist die „Krieger“-Version von Peter Maffay, der den Song in die Pappmaschee-Kulissen von „Winnetou und Old Shatterhand“ verlegt und eine Country-&-Western-Nummer daraus macht. Das ist so schräg, das muss man gehört haben! Genau wie Thomas Anders‘ unterirdische Dance-Pop-Version von „Geboren“ und die Versuche von Pur und dem One-Hit-Wonder Fools Garden auf Rocker zu machen („MfG“, „Ernten was wir säen“). Da merkt man wieder: Schwaben haben keine Schmerzgrenze. Grinsi-Klinsi Reloaded! Besser macht es dagegen Sasha, der aus „Die da!?!“ einen feinen Post-NdW-Rocker macht und das Duo Onkel Rock ‘N Roll, das „Sie ist weg“ in die Texmex-Abteilung verlegt.

„A Tribute To Die Fantastischen Vier“ enthält viel Licht, aber auch Schatten und jede Menge Trash- und Kult-Interpretationen, die man fast schon unter Comedy verbuchen kann. Aber genau das macht eine liebevolle Compilation aus, wenn Künstler sich auch mal zu blamieren trauen und ihre ausgetretenen Pfade verlassen. Damit werden die Anforderungen an ein hochwertiges Tribut-Album voll erfüllt, auch wenn die Fanta 4 damit gegen ihren Grundsatz aus dem Song „Buenos Dias Messias“ verstoßen, in dem es heißt: „Ihr seid nur Gast hier, fasst hier nichts an!“

Anspieltipps:

  • Le Smou (FR)
  • Es muss raus (Juli)
  • Hoffnung (Clueso)
  • Die da!?! (Mamas Gun / Sasha)
  • Wie die anderen (Gods Of Blitz)
  • Sie ist weg (Onkel Rock ‘N Roll)
  • Nach dem Regen (Max Mutzke)
  • Dicker Pulli (Sebastian Krumbiegel)
  • Was bleibt (Pohlmann & Les Sauvignons)

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