Jan Delay - Wir Kinder Vom Bahnhof Soul - Cover
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Jan Delay Wir Kinder Vom Bahnhof Soul


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit erfrischend anders klingender Musik, hebt sich „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ vom Pop-Einerlei wohltuend ab.

Musikalischer Stillstand ist des Künstlers Tod. Das weiß auch Jan Phillip Eißfeldt (33) alias Jan Delay, der mit der HipHop-Formation Die Absoluten Beginner Anfang der 90er Jahre seinen Einstand in der professionellen Musikszene gab und inzwischen zu den ganz großen Popstars in unserem Land zählt. Das künstlerische Steckenpferd des Hamburgers ist, auf seinen Soloalben über den musikalischen Tellerrand zu schauen, um dem Hörer stets etwas Neues bieten zu können. Und der eigene Spaß an der Freude soll schließlich auch nicht zu kurz kommen. So standen auf Jan Delays vorherigen Soloalben die Themen Reggae und Funk im Vordergrund, während sich das neue Werk, „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“, man ahnt es schon, der Soulmusik widmet.

Die Kunst an diesen Stilexperimenten ist, diese authentisch und dennoch eigenständig und modern sowie mit einem gewissen Coolness-Faktor versehen, rüberzubringen. Dass er das kann, hat Jan Delay in der Vergangenheit bereits bewiesen. Und nach mehr als 12 Monaten Arbeitszeit an seinen neuen Songs, lässt sich dies auch für das neue Album attestieren. Zusammen mit seinem Co-Produzenten Kasper „Tropf“ Wiens (Dynamite Deluxe, Kool Savas, Samy Deluxe, D-Flame) hat Jan Delay so lange getüftelt, bis er das Beste aus der Welt des Reggae, Soul und Funk für eine feurige Black-Music-Mischung beisammen hatte. Damit wird das, was auf „Mercedes Dance“ (2006) vielversprechend begann, mit „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ auf die nächsthöhere Stufe gebracht.

Dazu bedient sich Jan Delay ein bisschen bei Falco, gibt einen großen Schuss Prince dazu und irgendwo aus der Tiefe des Raumes kommt noch ein Trio-Sample (!) hinzu. Fertig ist ein augenzwinkernder Track wie „Abschussball“, der auch den letzten Miesepeter zum Partymachen einladen soll. Ähnliche Reminiszenzen kommen auch im wunderschönen „Hoffnung“ vor, wo der Soultrain ganz dicht am „Hotel California“ vorbeifährt oder in „B-Boys & Disko girls” und „Disko“, die sich durch coole Seventies-Funk-Grooves auszeichnen.

In seinen Texten rechnet Jan Delay u.a. mit der Mediengeilheit der heutigen Generation ab („Showgeschäft“), er nimmt gewissenlose Zeitgenossen mit beißendem Zynismus aufs Korn („Oh Johnny“) und in „Kommando Bauchladen“ prangert er mit scharfen Worten die Machenschaften der Lebensmittelindustrie an. Mit solchen Ansagen und der erfrischend anders klingenden Musik, hebt sich „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ vom Pop-Einerlei wohltuend ab. Ein Album ohne Fehl und Tadel!

Anspieltipps:

  • Disko
  • Hoffnung
  • Oh Jonny
  • Abschussball
  • Showgeschäft

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