Múm - Sing Along To Songs You Don´t Know - Cover
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Múm Sing Along To Songs You Don´t Know


  • Label: Morr/INDIGO
  • Laufzeit: 49 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem hervorragenden „Go go smear the poison ivy“(2007) haben die sieben Mitglieder der isländischen Band Múm mit „Sing along to songs you don´t know“ ihr inzwischen fünftes Album herausgebracht. Der Albumtitel klingt mysteriös und unlogisch, aber die nächsten fast 50 Minuten weisen nach, dass der Nagel auf den Kopf getroffen wird.

Neben präparierten Piano, einem Dulcimer, einem Streichquartett, Marimbas und Ukulelen und einem Sittich (!) sind in den Songs wie gewohnt Gitarren, Bass, Schlagzeug und Sequenzer zu hören. Was im Vergleich zu den Vorgängern jedoch deutlich reduziert wurde sind Anleihen an Trip Hop zugunsten von verstärktem Pop-Appeal. Das aber hiermit kein Radiodudelpop gemeint ist, sondern vertrackte Songstrukturen aus dem Pop, gemischt mit einer Vielzahl an Musikzitaten, die die Lieder schon beim ersten Hören zum Mitsingen einladen lassen, erklärt also den Titel deutlichst.

Der Opener „If i were a fish“ klingt noch ein wenig wie ein Kinderlied, dessen Text man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen sollte. Zum einen weil er auch als moderne Lyrik durchgeht, zum anderen weil er dermaßen süß ist, dass man ihn nicht schnell vergisst. Das Gesamtpaket entpuppt sich schnell zu einem Ohrwurm, der kleben bleibt. „Sing along“ profitiert vom harmonischen Duettgesang zwischen weiblichen, glockenhellen Stimmen mit männlichen sanften Vocals. Ungewöhnlich dürfte hier vor allem sein, dass sich die Grundstimmung des Openers im Laufe des Songs übergangslos in die vertrackte Rhythmik des Trip Hop (Massive Attack in ihren positiveren Zeiten lauern) verwandelt.

Das aber nicht nur die moderne Popmusik ihre Wurzeln im Pop-Kosmos bei Múm schlägt, zeigt sich in den Liedern, in denen andere Epochen mit eingewoben werden. z.B „Prophecies“ (20er Jahre), „A river (60er Jahre), „The smell“ (80er, persiflierend mit sehr vertrackter Polyrhythmik versetzt). Auch auf der textlichen Ebene zeigen sich Múm sehr flexibel. So schwankt man zwischen trivialem auf der einen Seite und hoch artifiziellem Dadaismus bei „Kay-ray“. Und das allem sehr nahe an der Perfektion.

Dieser scheinbar krude Mix aus Ausflügen in die Popgeschichte, seltsamer Instrumentierung und Textgestaltung ergibt eine Melange, die einerseits Tanzbar, andererseits vor allem mitsingfähig. Vor allem die Refrains sind einfach strukturiert und sind Ohrwürmer, die sich mit jedem Hördurchgang tiefer ins Gehirn fräsen. Múm = Der Beweis, dass Anspruch, Leichtigkeit, Flexibilität und Pop sich nicht gegenseitig ausschließen.

Anspieltipps:

  • Prophecies
  • Sing along
  • Kay-ray
  • The smell

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