Arctic Monkeys - Humbug - Cover
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Arctic Monkeys Humbug


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie auch auf dem zweiten Album umschiffen die Affen größtenteils richtige Refrains.

Neuer Look, neues Bandlogo, neuer Stil: Die Arctic Monkeys haben sich zu ihrem dritten Album „Humbug“ einer kleinen Neuausrichtung unterzogen und wollen ganz offensichtlich nicht mehr der Indie-Rock-Dancefloor-Hype sein, zu dem sie zur Zeit der beiden Alben „Whatever People Say I Am, That's What I'm Not“ (2006) und dem sehr schnell hinterher geschobenen „Favourite Worst Nightmare“ (2007) gemacht wurden. Klar, letzteres lies Weiterentwicklungen zum einfachen, meist sehr schnellen und rebellischen Indie-Rock des Debüts erkennen, stellte aber nicht jeden wirklich zufrieden. Für das neue Werk ließ man sich mehr Zeit, holte sich Josh Homme (Queens Of The Stone Age) als Produzenten ins Boot und nahm mit ihm zusammen in der kalifornischen Wüste auf.

Der Einfluss von eben diesem ist dann auch deutlich heraus zu hören: Die Songs haben einen nahezu ungreifbaren Stoner-Einschlag („Potion Approaching“), klingen unaufgeregt, durchdacht, sind langsamer und eben nicht mehr so dahin gerotzt wie es noch auf dem Debüt der Fall war. Den Songs haftet etwas geheimnisvolles an, die Gitarren hallen während der Bass herrlich locker vor sich hin poltert, wie bei der großartigen ersten Single „Crying Lightning“, dessen von Sänger Alex Turner nölig-locker vorgetragene Melodie eine unheimlich hypnotische Wirkung auf den Hörer hat. Die Harmoniegesänge („Dance Little Liar“) sind genau so neu wie der Orgeleinsatz von „Pretty Visitors“, bei dem dann doch mal wieder Gas gegeben wird, bevor der Song zu stark rhythmusorientierten Strophen übergeht, um anschließend in einen herrlich verschleppten Refrain zu münden.

Ein weiteres Highlight stellt das melodiöse und eher eingängige „Cornerstone“ da, bei dem auch eine Akustikgitarre zu Hören ist. Für „Fire And The Thud“ hat die Lässigkeit in Person – Alison Mosshart (The Kills, The Dead Weather) – Backing Vocals eingesungen und auch Homme hat hin und wieder zum Mikrofon gegriffen, auch wenn das eher schwierig zu erkennen ist. „Dangerous Animals“ enthält dann doch wieder bekannte Gitarrenarbeit á la „Teddy Picker“ und so herrlich unspektakulär alles mit „My Propeller“ begonnen hat, so leicht unterkühlt beendet „The Jeweller's Hands“ dann die 40-minütige – also recht kurze – Scheibe.

Wie auch auf dem zweiten Album umschiffen die Affen größtenteils richtige Refrains, vielmehr kommen die versteckten Melodien erst bei mehrmaligem Hören zum Vorschein. So muss man sich an diesen neuen Stil der Band tatsächlich erst einmal gewöhnen. Der Fokus wird auf das gesamte Werk verlagert, das einzelne Songs hervorstechen ist nicht mehr so wichtig. Hat man sich auf dieses neue Soundgewand erst mal eingestellt, merkt man dass es den Arctic Monkeys doch gut steht und sie mit „Humbug“ beweisen, dass sie zu erwachsenen und ambitionierten Musikern geworden sind.

Anspieltipps:

  • Crying Lightning
  • Cornerstone
  • Pretty Visitors

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