Simian Mobile Disco - Temporary Pleasure - Cover
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Simian Mobile Disco Temporary Pleasure


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Halbwegs gelungener Nachschub für Indie- als auch Elektronikfans.

Aus der Asche der elektronisch angehauchten Rockband Simian entstand das stärker elektrifizierte Pop-Duo Simian Mobile Disco. Waren die Herrschaften Simon William Lord (Gesang, Gitarre), James Anthony Shaw (Keyboard), Alex MacNaghten (Bass) und James Ellis Ford (Schlagzeug) damals allerdings noch eine Truppe unter vielen waren, die der Versuchung verfallen sind, Sounds und Samples aus dem PC für die eigenen Zwecke zu verwenden und so ein gewisses Maß an Authentizität zu verlieren, sind sich Shaw und Ford nach dem Erstling „Attack decay sustain release“ (06/2007) und der Justice-Nachbearbeitung ihrer noch zu Simian-Zeiten entstandenen Single „We are your friends“ ziemlich sicher, dass es ohne elektronische Hilfsmittel nicht mehr geht. Und authentischer als viele andere Pop- und Rockbands wirken die Kompositionen der beiden Briten ohnehin. Nach Tanzbodenkrachern wie „It´s the beat“ oder „Hustler“ (beide vom Debüt) und der gemeinnützigen Kollaboration mit einigen britischen Musikern auf ihrem ersten Longplayer war man jedenfalls gespannt, wohin der eingeschlagene Weg 2009 führen wird.

Mit den beiden Eröffnungstiteln „Cream dream“, einem träumerischen Popsong mit Vocals von Super Furry Animals-Multiinstrumentalist Gruff Rhys, und „Audacity of huge“, ein brodelndes Bassungetüm mit Unterstützung von Chris Keating, seines Zeichens Sänger der Band Yeasayer, sorgen Simian Mobile Disco jedenfalls für mehr als offene Ohren und lassen diesen positiven Eindruck mit dem instrumentalen „10,000 horses can´t be wrong“ nicht abebben. Anschließend betretet das Duo jedoch etwas unschlüssiges Terrain und gleitet mit einer mädchenhaft-verschmitzt agierenden Beth Ditto (The Gossip) in seichtere Gefilde ab („Cruel intentions“), langweilt in „Off the map“ trotz groovendem Bass mit schlichter Repetition und bremst das tieftönende Monster „Synthesise“ immer wieder kurz vor dem Durchbruch in gewagtere Gefilde unschön durch Monotonie und nervige Gesangsamples aus.

Die Zusammenarbeit mit Alexis Taylor (Hot Chip) fällt im Gegensatz dazu wesentlich homogener aus, vor allem weil das soulige Timbre von Taylors Stimme dem Song eine angenehme Farbe verleiht, die eine wunderbare Symbiose mit den etwas unruhigen Perkussions- und Keyboardsamples einhergehen. Danach wird der obligatorische Hip Hop-Track vom Stapel gelassen (der muss wohl heutzutage auf jedes Electro-Album) und „Turn up the dial“ bringt frischen Wind in das erstarrte Soundgefüge von „Temporary pleasure“. Dumm nur, dass „Ambulance“ wieder einen Gang hinunter schaltet und wie schon „Synthesise“ zuvor auf halber Strecke stecken bleibt anstatt die vorhandene Aufgekratztheit in einen sinnvollen Kontext zu setzen, wie es z.B. Justice mit „†“ (07/2007) vorgeführt haben. Als Abschluss legen Simian Mobile Disco noch einmal alles in eine Waagschale und kredenzen den unruhigen, aber unter seinen Möglichkeiten bleibenden „Pinball“, der zwar einige japanische Ornamente spendiert bekommen hat, die allerdings eher aufgesetzt wirken, denn wirklich gewollt.

Gesamt betrachtet hat sich das Duo mit ihrem Nachfolger zu „Attack decay sustain release“ nicht sonderlich stark weiter entwickelt, sondern bietet lediglich einen halbwegs gelungenen Nachschub für Indie- als auch Elektronikfans, die sonst mit der jeweils anderen Sparte nicht viel anfangen können. Das ist aber eigentlich nicht weiter schlimm, denn obwohl kein wirklich großer Hit vorhanden ist und „Temporary pleasure“ einige negative Aspekte besitzt, ist es doch ein nettes, kleines Pop-Album geworden, das zu jeder Tages- und Nachtzeit gehört werden kann. Unscheinbar, aber nicht völlig verschlossen. Ein begrenztes Vergnügen eben.

Anspieltipps:

  • Bad Blood
  • Cream Dream
  • 10,000 Horses Can´t Be Wrong

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