Corvus Corax - Live In Berlin - Cover
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Corvus Corax Live In Berlin


  • Label: Pica Music/SOULFOOD
  • Laufzeit: 125 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist bestimmt nicht leicht, ein König zu sein. Da muss man regieren, für Innovation und Antrieb sorgen, das Land vor Möchtegern-Thronfolgern bewahren und am Ende ist doch keiner mit der geleisteten Arbeit zufrieden. Das geht den selbst ernannten Königen der Spielleute, Corvus Corax, nicht anders. Denn hat man erst mal zwei so ambitionierte wie gleichermaßen großartige Werke wie die beiden Veröffentlichungen „Cantus Buranus“ im Backkatalog, hat man seine liebe Mühe, den erreichten Status auch künftig aufrecht zu erhalten.

Die große Frage ist, ob die Veröffentlichung eines Live-Albums wie „Live in Berlin“ dazu der richtige Weg ist. Zugegeben – auf zwei CDs mit einer amtlichen Länge von über zwei Stunden Spieldauer bekommt der geneigte Mittelalterfan ein prall geschnürtes Paket geboten. Das Problem ist nur, dass sich dabei einige gravierende Schönheitsfehler offenbaren: die ausgelassene Stimmung, für die Corvus Corax bei ihren Live-Auftritten garantieren, will auf diesen Silberlingen einfach nicht überspringen. Das liegt zum Teil an der eher mittelmäßigen Produktion und der zu leisen Publikumsabmischung, zum anderen aber auch an der sehr durchwachsenen Setlist.

Die besteht nämlich zu großen Teilen aus Szenestandarts, die mittlerweile jede drittklassige Marktkapelle im Repertoire hat: „Totus Floreo“, „Skudrinka“, „In Taberna“, „Saltarello“ und „Chou Chou Sheng“ (um nur einige wenige zu nennen) hat der Freund mittelalterlicher Klänge mittlerweile so in Fleisch und Blut aufgenommen, dass sie inzwischen schlicht und ergreifend tot gespielt sind. Zumal beispielsweise „Platerspiel“ überraschend unsauber dargeboten wird und „Titenka“ mit sehr aufdringlichen Trötenklängen nervt. Das können Corvus Corax definitiv besser!

Insgesamt also eine eher entbehrliche Veröffentlichung fürs Sommerloch. Kein Problem dennoch für die Könige der Spielleute, solange Projekte wie Cantus Buranus die immer zahlreicher werdende Konkurrenz nach wie vor auf ihre Plätze verweist.

Anspieltipps:

  • Urmawi
  • In Taberna
  • Chou Chou Sheng

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