The 69 Eyes - Back In Blood - Cover
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The 69 Eyes Back In Blood


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

The 69 Eyes sind wieder da, diesmal „Back In Blood“, weil „Blood is the new black“. Die finnischen Friedhofs-Streuner bewegen sich auf ihrem nunmehr zehnten Studioalbum in neue Gefilde, was sich schon auf „Angels“ (2007) ankündigte. Es ist nicht mehr viel übrig von der tiefdüsteren Stimmung, bei der den schwarzen Engeln, Vampirellas und sonstigen Fans wohlig warm ums Herz wird. Aber keine Angst, Freunde des Mondes, die Horizonterweiterung zeigt gute Ansätze und ist nicht so gravierend, dass The-69-Eyes-Anhänger der ersten Stunde sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnten.

Mit der gewöhnlichen „Wir sind wieder da“-Nummer „Back In Blood“ geht das Album recht heiter los und wird in diesem Stil auch fortgesetzt. „Dead N‘ Gone“ ist dabei sogar erschreckend radiotauglich und weißt im Refrain Ähnlichkeiten mit Sunrise Avenue und dem ganz frühen Hit „F-F-F-Falling“ von „The Rasmus“ auf. Zugegebenermaßen bleibt der Song dafür auch verdammt gut im Ohr. „The Good, The Bad & The Ugly“ fängt dann wie „Hardrock Hallelujah“ von Lordi an und geht ähnlich wie „Beautiful People“ von Marylin Manson weiter. Man merkt schon: The 69 Eyes orientierten sich stark an den kommerziell in aller Welt erfolgreichen Kollegen und ließen einen hauseigenen Stil etwas außen vor.

Doch spätestens ab „Lips Of Blood“ findet wieder ein bisschen echte Gothic-Stimmung Einzug, wobei sowohl die ersten, als auch die zweiten sechs Songs mit Todes- und Schwarzromantikvokabular nur so um sich werfen. „Dead Girls Are Easy“ markiert dann plötzlich einen klaren Höhepunkt der Platte, da die dort zu hörende Kombination aus verhältnismäßig fetten Riffs und Sounds einer stöhnenden Frau einfach unschlagbar ist. Dazu kommt die treffsichere Refrain-Zeile: „All I wanna do is ROCK!“.

Nachdem man „Night Watch“ mehr oder weniger als potentielle HIM-B-Seite abtun kann, kommt mit „Some Kind Of Magick“ eine weitere stärkere Nummer. Bei „Magick“ handelt es sich übrigens nicht um einen Schreibfehler; zur Begriffserklärung nehme man bitte ein Lexikon zur Hilfe. Der Song beinhaltet jedenfalls die leise Melancholie, für die man den skandinavischen Rock einst liebgewann und wirkt von allen Songs des Albums irgendwie am wenigsten aufgesetzt, da er am besten die Waage zwischen den verschiedenen Komponenten hält, die auf „Back in Blood“ wild verstreut vorliegen. Ähnlich überzeugend ist dann noch das flotte „Suspiria Snow White“, wo „Dig Up Her Bones“ von den Misfits Pate gestanden haben könnte.

Den zwölften und letzten Track, der auf den regulären Versionen der letzten sechs Alben auch nicht vorhanden war, hätte man sich diesmal vielleicht ebenfalls lieber gespart, nicht zuletzt weil er das Album nicht angemessen ausklingen lässt, sondern eher abwürgt. „Eternal“ ist mit seinen Akustikgitarren, Streicherklängen und Klaviereinlagen eine grenzwertige Schmachtballade zum Schunkeln und Heulen. Wohlgemerkt aber so kitschig, dass es eigentlich schon wieder hübsch ist. Mal was anderes.

„Back In Blood“ macht einen Eindruck, als wären die Jungs von The 69 Eyes gerade noch damit beschäftigt, ihren zukünftigen Weg zu suchen, auf dem Vampire ans Sonnenlicht gezerrt werden. Daher wirkt das Gesamtwerk nicht ganz stimmig und teilweise einfach hohl. Doch zugegebenermaßen zeigt die Band wie nie zuvor, dass sie viel davon versteht, richtig eingängigen Rock zu produzieren, ob nun mit eigenen oder -sagen wir mal- entliehenen Stilmitteln. Und mit der enorm markanten Stimme von Sänger Jyrki 69 kann eigentlich sowieso nicht allzu viel schief gehen. Unterm Strich liegt das Endprodukt im oberen Mittelfeld, wird alte und neue Fans zufrieden stellen und entpuppt sich sogar als ziemlich partytauglich. Vorwiegend für Halloweenpartys, natürlich.

Anspieltipps:

  • Dead Girls Are Easy
  • Some Kind Of Magick
  • Dead N’ Gone
  • Eternal

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