Otep - Smash The Control Machine - Cover
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Otep Smash The Control Machine


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Von Korn & Konsorten bzw. dem ganzen Nu-Metal kann man persönlich halten was man will, aber pauschal eine Band oder ein Album dieses Genres zu verteufeln, ist etwas unfair. Schließlich gibt es immer wieder genug Möglichkeiten um sich eine Limp Bizkit-Scheibe vor den Latz zu knallen oder Linkin Parks „Hybrid theory” der guten alten Zeiten wegen durch den Äther zu blasen. Otep Shamaya (Gesang) dürfte die üble Nachrede ebenfalls wenig stören, sonst würde sie auf ihrem bislang vierten Album „Smash the control machine” nicht starr daran festhalten und ihre stark überdramatisierte und theatralische Form des Nu-Metal erneut zum Besten geben.

Letzten Endes zählt ohnehin das fertige Produkt und diesbezüglich gibt es bei vorliegender Platte eigentlich nichts zu beanstanden, da vom angeblich altmodischen Sound nichts zu spüren ist. Die gute Stunde kratzbürstigen Nu-Metals würzt Frau Shamaya nämlich nicht nur mit ihren persönlichen Ansichten über die Politik und Gesellschaft Amerikas, Kinderschänder oder Kämpfe mit dem eigenen Ich, sondern schreit sich während die Gitarren grummeln und das Schlagzeug poltert wutentbrannt die Seele aus dem Leib, flüstert dem Hörer den Tränen nahe Spoken Word-Passagen ins Ohr oder singt mit klarer Stimme vom Niedergang unserer Kultur. Diese turbulente Achterbahnfahrt der Emotionen ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber selten erreicht eine Sängerin die gleiche physische Präsenz wie Otep Shamaya auf „Smash the control machine”.

Wo allerdings die Texte und die wandlungsfähige Stimme der Frontfrau die Stärken des Outputs bedeuten, befinden sich die ruhigen Passagen der Scheibe meist auf dem schmalen Grat zwischen Sein und Schein, da eine langsame und dröge Einleitung sich nicht immer so glücklich entfaltet wie beim schlussendlich explodierenden „Head”, was aber nichts mit dem Genre an sich zu tun hat, sondern mit der falschen Anlage des Songs und dem Überstrapazieren der Geduld des Hörers. Wenn z.B. „Ur a wmn now” mit Gaststars wie Emilie Autumn an der Violine und Koichi Fukada (Static-X) am Piano als ruhige Ballade einen stillen Gegenpol zur sonstigen Aggressivität gibt, kann man sich noch einigermaßen dafür erwärmen, doch beim Horrorszenario „Kisses & Kerosene” (der Track eignet sich übrigens hervorragend als Ersatz für einen Folterporno) oder dem Hidden Track „I remember” muss schon viel Beharrlichkeit aufgebracht werden um der zähflüssigen Darbietung etwas abzugewinnen.

„Smash the control machine” ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet Frau Shamaya mit ihrer kraftvollen Performance einen ausreichenden Grund um die Scheibe demnächst sein eigen zu nennen, andererseits bremst sich das Oeuvre mit dem falschen Tempo oftmals selbst aus und birgt so einiges an hartnäckigem Füllmaterial. Da die übrigen Songs aber meist über dem überdurchschnittlichem Niveau anderer Metal-Veröffentlichungen liegen, ist das vierte Otep-Album für Genre-Fans ein klarer Geheimtipp.

Anspieltipps:

  • Head
  • Unveiled
  • Rise, Rebel, Resist
  • Where The River Ends

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