Juliette Lewis - Terra Incognita - Cover
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Juliette Lewis Terra Incognita


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Karriere von Juliette Lewis begann als Schauspielerin mit besonderem Talent für Gesangseinlagen. In den letzten Jahren rückte sie allerdings die Musik immer mehr in den Vordergrund und veröffentlicht nun – erstmals mit neuer Band – ihren dritten Longplayer. Die Platte macht keinen Hehl daraus, dass der Wandel fort von „Juliette And The Licks“ und hin zu „Juliette Lewis (And The New Romantiques)“ mehr ist als nur ein marginales Facelift. Im Gegensatz zu den erstklassigen und erfrischend geradlinigen Rock-Alben „You’re Speaking My Language“ (2005) und insbesondere „Four On The Floor“ (2006), die das Tempo beinahe ausnahmslos hoch hielten und dem Hörer einen kompromisslos lauten Song nach dem anderen entgegen schmetterten, präsentiert sich „Terra Incognita“ insbesondere in seiner zweiten Hälfte wesentlich ruhiger und erwachsener.

Los geht es aber zunächst nach einem kurzen Intro mit „Noche Sin Fin“ und „Terra Incognita“, zwei Tracks bei denen sich Juliette Lewis vor allem auf die Stärken ihrer früheren Tage besinnt: Klare Melodien, die mühelos aus der gewohnt starken Gesamtkomposition hervortreten, dazu die unverwechselbaren Vocals, die im Gegensatz zu vielen anderen Bands eine wirklich eigenständige Stimme darstellen und der Musik dadurch eine besondere Tiefe verleihen. Bis zu diesem Punkt im Wesentlichen alles wie gehabt. Mit „Hard Lovin‘ Woman“ folgt dann der erste ruhigere Titel bevor die New Romantiques im starken „Fantasy Bar“ noch einmal Fahrt aufnehmen.

Im weiteren Verlauf werden derartige Tracks immer seltener und den ruhigen und zeitweise durchaus experimentellen („Ghosts“, „Female Persecution“) Stücken wird mehr Platz eingeräumt. Dabei könnte insbesondere „All Is For Good“ mehr als alle anderen Titel des Albums zeigen, wohin die Reise in Zukunft gehen soll: In nur 2,5 Minuten gelingt Juliette Lewis hier eine bemerkenswerte Synthese aus Alt und Neu, die durchaus zu überzeugen weiß. „Suicide Dive Bombers“ markiert schließlich den Schlusspunkt und besticht durch ein vielschichtiges Songwriting, dass Juliette Lewis in dieser Form wohl nur die wenigsten zugetraut hätten.

Trotz allem ist das neue Album kein konsequent zu Ende geführter Neuanfang – es ist viel mehr als gelungenes Übergangsalbum zu verstehen. Juliette Lewis paart den Wunsch „mal etwas anderes zu machen“ mit dem Festhalten an Bewährtem – sei es aus Unentschlossenheit oder um die momentane Anhängerschaft nicht zu überfordern. Die Tatsache, dass der namensgebende Titel „Terra Incognita“ dem bisherigen Stil am nächsten kommt, bestätigt diesen Eindruck. Von besonderem Interesse sind nun vor allem zwei Fragen. Erstens: wie nehmen die Fans von „Juliette And The Licks“ den Stilwechsel auf? Zweitens: wie geht es weiter nach „Terra Incognita“? Die Antworten auf diese Fragen werden sich auch entscheidend auf den weiteren Verlauf der Karriere der Sängerin und Schauspielerin auswirken.

Anspieltipps:

  • Noche Sin Fin
  • Fantasy Bar
  • All Is For Good
  • Female Persecution
  • Suicide Dive Bombers

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