Virginia Jetzt! - Blühende Landschaften - Cover
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Virginia Jetzt! Blühende Landschaften


  • Label: BMG Rights/Rough Trade
  • Laufzeit: 38 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Verblühte Musiklandschaft. Virginia Jetzt! halten auch mit ihrem neuem Werk an der Marschrichtung hin zu bedeutungslosem Pop mit Schlager- und Volksmusikanleihen fest. Wer geglaubt hat Sänger Nino Skrotzki und Co würden sich von ihrem akustischen Stil Richtung Marke Hartmut Engler meets Rosenstolz meets The Best of Fest der volkstümlichen Hitparade nun endlich entfernen, der wird hier leider eines Besseren belehrt.

Tummelte sich auf dem Debüt der Band aus der Hauptstadt noch vergleichsweise erfrischender, gitarrenlastiger Indie-Pop, so lässt sich die damalige Frage „Wer Hat Angst Vor Virginia Jetzt!“ anno 2009 nur mit einem eindeutigen „niemand“ beantworten. Ihr Sound hat sich endgültig den schon seither mitunter grausig-kitschigen Lyrics angepasst und „Blühende Landschaften“ steht somit als astreines Bewerbungsprodukt für künftige Auftritte bei Kiwis ZDF-Fernsehgarten in den Startlöchern. Aus dieser Intention wird von Bandseite her wohl auch kein großer Hehl gemacht. Wie sonst lässt sich eine Zusammenarbeit mit den Oma-Lieblingen der Nation- Münchner Freiheit erklären („Hollywood“), deren schlicht grottiges Ergebnis deshalb auch zum akustischen Gefrierpunkt dieser Platte gezählt werden muss. Und auch sonst wird keineswegs mit einschläfernden Rhythmen, 08/15-Carmen-Nebel-Melodien und einfach unerträglich-schmalzigen Texten gegeizt.

Der Auszug „Mit dir auf einem Stück Holz / im Meer bei rauem Wind / da will ich sein / weil Liebe dort beginnt („Weil Liebe Dort Beginnt“) genügt eigentlich schon vollkommen aus, um den akustischen Rahmen der neuen Songs zu beschreiben. Hatte man nach dem bisher besten Output der Band („Bitte Bleib Nicht Wenn Du Gehst / EP / 2006) zumindest kurzzeitig die Hoffnung gehegt, hier könne in Zukunft mal etwas Großes entstehen, so ist dieses Album ein Offenbarungseid und manifestiert Virginia Jetzt! irgendwo zwischen Pur, Karl Moik und jeglichem Dieter Bohlen-Herzschmerz-Gedudel. Lediglich „Halt Dich An Mich“ lässt ansatzweise das Potential der Band erkennen, sobald sie sich nämlich einige Schritte von ihrem Synthie-Schnulz-Gedudel entfernen. Es bleibt also die Frage, ob den verantwortlichen Musikern dieser musikalische Niveauverlust eigentlich bewusst ist oder ob die vier aus Berlin jegliche Schamgrenzen des guten Geschmacks in Hinblick auf lukrative Zielgruppen (pubertierende Teens und rüstige Rentner) schon längst eingerissen haben.

Virginia Jetzt! haben mit dieser Platte jegliche Aussicht auf einen positiven Kurswechsel, ihres über die Jahre infiltrierten Schlager-Wolf im Indie-Pop-Schafspelz eindrucksvoll und in beinahe jedem Takt erstickt. Und besser als die „netten“ Jungs ihre „Blühende Landschaften“ selbst beschreiben, könnte ich es auch nicht: „Das hier ist nicht Hollywood / Berlin ist nicht L.A. / es folgt kein Abspann / es gibt kein Happy End / es tut noch weh“. Selbsterkenntnis als erster Schritt? Es ist stark zu bezweifeln.

Anspieltipps:

  • Halt Dich An Mich

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