Mediengruppe Telekommander - Einer Muss In Führung Gehen - Cover
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Mediengruppe Telekommander Einer Muss In Führung Gehen


  • Label: Staatsakt/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Hey was geht ab? Wir feiern (tatsächlich: nerven) die ganze Nacht!“ Ob nun die unsägliche Festival-Abstumpf-Frechheit der Atzen samt Frauenarzt, die Könige des Sprechgesang-Schranz Deichkind oder auch die gesamte Posse um die gute Frittenbude im Egotronic-Kosmos. Electronic-Gewummer mit deutschsprachigem Inhalt ist momentan der absolute Renner und kein DJ dieser Nation wird es wagen, ohne ähnliches Material in den Taschen seinen Platz am Pult zu besteigen.

Ein letztes Lebenszeichen gab es von der Mediengruppe Telekommander vor drei Jahren, als man im Electrotrash-Gewerbe gerade noch in den Kinderschuhen steckte. „Näher Am Menschen“ war 2006 zwar schon genauso Banane wie heutzutage aber relativ unverbraucht und konnte sich wahrscheinlich auch deshalb in den schweißgefüllten Tanzpalästen dieser Nation derart etablieren. Laut, nervig, aggressiv und manchmal ja auch durchaus gut. Aber mit „Einer Muss In Führung Gehen“ schabt das Duo Florian Zwietnig und Gerald Mandl wirklich am äußersten Rand des noch Ertragbaren. Und genau darin liegt zweifelsohne auch das zwitterhafte Charakteristikum dieser Band. Auf der einen Seite muss man ihnen ja zu gute halten, dass sie auf jegliche musikalischen Normen pfeifen und teilweise Basslines raus hauen gegen die kein noch so zugestöpseltes Trommelfell gewachsen ist und die in hypnotischer Art und Weise Fuß, Kopf oder Körper zum bewegen animieren.

Andererseits stoßen sie diesmal erneut nahe an die Grenzen des auszuhaltenden Geschmacksnervs. Songs wie „Über Alles“, „Raus Aus Der Stadt“ oder „Es Gibt Immer Was Zu Tun“ lassen sich eigentlich nur im Taubheitszustand ertragen und hier stellt sich dann auch die berechtigte Frage: Haben wir es nun mit einer gewollt aussagekräftigen Punkattitüde oder einfach nur der künstlerisch-kreativen Beschränktheit der beiden Kommander zu tun? Wie auch immer- ob gepresst auf Vinyl oder versilbert, es popularisiert gewaltig! Am besten funktioniert der Anarcho-Wumms wenn sie sich die Kommandeure an den eher melodiösen Schlaraffen-Aufständigen orientieren. „Endlosrille“ und „Fressnapf“ gehören auch gerade deshalb zu den Höhepunkten der Scheibe, da hörbar kein Hehl daraus gemacht wird arg diese Nummern am Deich der Kinder angelehnt sind. Auch das rockige „Notausgang“ kann man sich anhören ohne dabei gleich Gedanken hinsichtlich eines herbeizusehnenden Wachkomas zu hegen.

„Einer Muss In Führung Gehen“ ist dröhnend, anstrengend, nervig und es ist schwer vorstellbar, dass sich jemand diese Klangüberreizung in den heimischen vier Wänden freiwillig antun möchte. Jedoch werden auch einige Songs der neuen Platte durchaus ein tanz- und partyfreudiges Live-Vergnügen nach sich ziehen können. Diesen Überfall auf Ohr und Reizleitersystem werden jedoch nur die Hardcore-Kommander ertragen können. Zum Abfeiern gerne immer mal wieder, aber in der heimischen Klangsystemmaschinerie - nein Danke!

Anspieltipps:

  • Endlosrille
  • Fressnapf
  • Notausgang

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