Divine Heresy - Bringer Of Plagues - Cover
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Divine Heresy Bringer Of Plagues


  • Label: Sangreal/SOULFOOD
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, da wagte der ehemalige Gitarrist und Bassist Dino Cazares neben seiner Deathgrind-Truppe Asesino mit Divine Heresy noch ein weiteres extrem-musikalisches Projekt und traf voll ins Schwarze. Mit einer Urgewalt an den Drums (Tim Yeung, Ex-Vital Remains, Ex-Hate Eternal) und einer vielversprechenden Neuentdeckung in Sachen stimmlicher Aggressivität mit dem richtigen Schuss Kontrolle (Tommy Vext) jagte Cazares mit „Bleed the fifth“ (08/2007) eine übermächtige Planierraupe durch sämtliche Gehörgänge und hinterließ nicht mehr als Verwüstung. Klar war, dass nach Songs wie „Failed creation“, „Impossible is nothing“ und „Rise of the scorned“ die Messlatte des extremen Metals ein ganz gehöriges Stück weiter nach oben geschoben wurde und dass ein Nachfolger unweigerlich mit dem schweren Erbe zu kämpfen haben würde.

Dass Tommy Vext vor Beginn der Studioaufnahmen nach einem Streit mit Cazares seinen Austritt erklärte, machte die Sache nicht unbedingt leichter, im Nachhinein betrachtet fügt sich der neue Schreihals Travis Neal (Ex-Pushed, The Bereaved) aber aufgrund der ähnlichen Klangfarbe dermaßen stimmig in den Gesamtkontext ein, dass der Weggang von Vext keineswegs ins Gewicht fällt und mit Joe Payne als fixen Bassisten bekommen die ohnehin schon sehr druckvollen Tracks noch eine ordentliche Portion Power dazu. Als Produzent wurde glücklicherweise erneut Logan Mader (Ex-Machine Head, Ex-Soulfly) verpflichtet, wodurch die Scheibe neben einem perfekt ausbalanciertem Klangbild ihre industrielle Kälte und somit einen der vielen Charakteristika, die schon beim Vorgänger eine ganz eigene Atmosphäre generiert hatte, beibehält.

Wer jetzt allerdings glaubt, dass „Bringer of plagues“ nur ein aufgewärmtes „Bleed the fifth“ ist, soll sich erst einmal von „Facebreaker“ den Schädel zertrümmern lassen und während „The battle of J. Casey“ seinen restlichen Körper von den umherfliegenden Rifffetzen, technisch unglaublich effizient und mit maschineller Präzision eingeprügelten Stakkato-Drumsalven, sowie den derben, gutturalen Shouts von Neal bearbeiten lassen und dann mal weitersehen, ob noch eine Möglichkeit besteht ohne Langzeitschaden aus der Sache herauszukommen. Kurzum: Divine Heresys zweite Opferung ist der Wahnsinn in CD-Form und wer einen aggressiven, kompromisslosen und trotzdem durch und durch eingängigen Tritt in den Arsch benötigt, sollte „Bringer of plagues“ ganz dick und fett auf seiner Einkaufsliste haben.

Einziges Manko ist die Spielzeit, die durch das Weglassen der etwas schwächeren Stücke „Enemy kill“ und „The end begins“ etwas schlanker geworden wäre, was bei einer Dauerknüppelorgie bei Bands wie Divine Heresy schließlich nie verkehrt sein kann, denn trotz der grandiosen Soft Metal-Ballade „Darkness embedded“, die dieselbe Funktion wie schon damals „Closure“ erfüllt, nämlich Ruhepol zu sein, sind wirkliche Verschnaufpausen rar gesät und eine Überhitzung der Synapsen ist schnell passiert. Bei solchen Glanzstücken wie „Redefine“, „Anarchaos“ oder dem Titeltrack braucht es aber ohnehin eine ganze Weile, bis eine Sättigung eintritt. Auf diesem Level können die nächsten Veröffentlichungen dieser amerikanischen Abreißbirne gerne bleiben und so schön wie Yeung drischt die Felle sowieso niemand. Da können sich jedenfalls noch einige Profis eine Scheibe von diesem Untier abschneiden. Doch genug davon: Ab in den Laden und kaufen!

Anspieltipps:

  • Redefine
  • Anarchaos
  • Bringer Of Plagues
  • Darkness Embedded
  • The Battle Of J. Casey

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