Linda Teodosiu - Under Pressure - Cover
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Linda Teodosiu Under Pressure


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer wie Linda Teodosiu bei einer Castingshow wie „Deutschland sucht den Superstar“ mitmacht, hat in aller Regel einen riesengroßen Stempel auf der Stirn: „Dieter Bohlen“ – gleichbedeutend mit einer kurzen Erfolgsspur, um dann schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden. Bei der erst 17jährigen Linda Teodosiu verlief die Sache dagegen etwas anders. Obwohl sie in der fünften DSDS-Staffel „nur“ Dritte wurde, erhielt sie einen Plattenvertrag bei Sony Music und bekam unglaubliche 1½ Jahre Zeit, ein Album aufzunehmen.

Das merkt man der Produktion von „Under Pressure“ letztendlich auch an. Denn es wurde darauf geachtet, Lindas starker Stimme den nötigen Raum zu geben, z.B. durch ergreifende Balladen. Aber auch ein starker R&B-Einschlag mit den zurzeit angesagten Elektro-Beats wurde nicht vernachlässigt. Stimmlich klingt Linda Teodosiu ein wenig nach der Powerfrau Anastacia, sie singt nur weniger hoch und eindringlich. Dennoch besitzt sie eindeutig eine Stimme mit Wiedererkennungswert und viel Gefühl.

Die gröbsten musikalischen Ausfälle auf „Under Pressure“ komponierten ausgerechnet Lindas Freund Simon Gincberg, ebenfalls DSDS-Teilnehmer, und die frühere DSDS-Zweitplatzierte Juliette Schoppmann, die mit billigen Spanisch-Rhythmen („Mi Chica“) oder undefinierbaren Musicaltönen („Alien“) so gar nicht überzeugen. Die beiden ersten Singles „Love sux“ und „Reprogram my heart“ hängen sich an die aktuelle Dance-Pop-Schiene und versehen mit ein wenig R&B-Touch haben diese auch Potenzial die Charts zu stürmen, was „Love Sux“ mit seinem stampfenden Beat auch sehr erfolgreich schaffte.

Teodosius Stimme dominiert bei den ergreifendem „Still in Love“ und „Read to fly“ deutlich, denn für ihre 17 Lenze packt sie schon eine große Portion Emotion und überzeugendes gesangliches Können hinein. Den ebenfalls angesagten Retro-Soul bietet das schwungvolle „Surprise Surprise“, was Linda ebenfalls hörbar zu liegen scheint. Sanfte Tracks sind jedoch in der Überzahl und überschreiten manchmal ziemlich eindeutig die Kitsch-Schmerzgrenze, „All that remains“ sei hier als schlechtes Beispiel genannt. Der bei der DSDS-Show von Linda performte Beatles-Song „With a little help from my friends“ überzeugt auch nicht so sehr, da sie gegen einen starken Backgroundchor ansingen muss, der es ihr trotz vorhandener stimmlicher Power schwer macht, sich durchzusetzen.

„Under Pressure“ ist ein Longplayer mit Höhen und Tiefen, doch von einem Schnellschuss á la Bohlen ist die Musik, die Produzenten und Songschreiber ausgesucht haben, meilenweit entfernt. Qualitativ gibt es zwar genug Luft nach oben und auch die eingeschlagene Musikrichtung scheint noch nicht final zu sein. So wirkt die Songauswahl noch unentschlossen. Trotzdem gehört Linda Teodosiu die Zukunft, wenn das harte Musikbusiness sie nicht fallen lässt.

Anspieltipps:

  • Love Sux
  • Surprise Surprise
  • Ready To Fly
  • Still in Love

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