Karpatenhund - Der Name Dieser Band Ist Karpatenhund - Cover
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Karpatenhund Der Name Dieser Band Ist Karpatenhund


  • Label: Wanderlust/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Name dieser Band ist Karpatenhund. Punkt. Das ist doch mal eine Aussage. Albumtitel und Bandname in einem Satz. Wenn es doch alle Bands so einfach machen würden (ach ja, da sind ja schon Billy Talent und Franz Ferdinand)! Na wie auch immer: Karpatenhund sind zurück. Der ganz große Erfolg blieb ja beim letzten Album trotz Promotion aus, aber davon ließen sich die Hunde nicht abhalten. Neues Material erarbeiten, bearbeiten und raus in die Welt schicken. Was so einfach klingt, hat ein wenig mehr als zwei Jahre gedauert seit dem durchaus ansprechenden Debüt. Die Frage ist, ob Karpatenhund sich nun an den so erfolgreichen Deutschrockstrom anschließen will oder ob sie weiterhin die eigene Indie-Schiene verfolgen, die sie weitestgehend positiv von anderen Bands abhebt.

Bam! „Der Name Dieser Band Ist Karpatenhund“ schlägt auf ganz hohem Niveau ein. Ein breiter und dichter Soundteppich wird da zum Auftakt ausgerollt und trägt den Namen „Anfang (Black Box Recorder)“. Eine einfache, schöne Anfangsmelodie, die gemütlich und doch großmutig ins neue Album führt. Alles richtig gemacht, nur dass die zarte Stimme Claires bei so einer Klangwand ein wenig untergeht. Das anschließende „Wald“ funktioniert da zwar schon besser, welches von der letzten EP Fans schon bekannt ist, doch sobald die Band etwas lauter in die Saiten greift, verliert die Stimme an Kraft. Hier wurde etwas unglücklich produziert. Von Minimalismus ist auf jeden Fall keine Spur mehr. Karpatenhund liefern Indie-Rock, wie Manana aus der Schweiz: Groß angelegt und doch ganz eigen.

„Notfalls Werde Ich Für Immer Warten“ ist dann ein Elektroausflug mit merkwürdiger Note, die sich beinahe in Plätte verwandelt. Durch guten Einsatz der Gitarren und dem frischen Schlagzeug vergibt man diese Strukturschwächen jedoch schnell. Das Album anhören tut man jedoch eher für Lieder wie das anschließende „Boden“. Tolles Tongefüge und die wiederkehrende Erkenntnis, dass Claire mit Bass und Schlagzeug allein mit am besten funktioniert. Die fragile Stimme braucht Platz um sich und offenbart sich dadurch manches Mal als Schwäche. So schön sie ist, so limitiert ist ihr Einsatzgebiet. „Plastic Soul“ klingt dann wieder lockerer und einfacher, aber offenbart besonders bei mehreren Durchgängen seine treibende Kraft. Musikalisch richtig groß ist dann aber wieder (wie beim Abwechseln) „Rorschach“, das einen richtigen Indie-Rock-Opus darstellt. Weit ausschweifende Gitarren und eine Melodie, die immer weiter gehen könnte.

Man könnte noch jeden Track einzeln abgrasen, aber Fakt ist, dass die Lieder alle ein gutes Niveau halten. Eher muss man nach Höhepunkt als nach Schwächen Ausschau halten. Da lassen sich dann „Bitte Bitte Bitte“ und „Wie Fühlt Es Sich An?“ ausmachen. Nicht, weil ihre Melodien überragend sind, sondern weil hier (endlich) der Gesang mit neuer Stimmung, mal keck, mal abgeklärt und nicht ewig braves Mädchen ist. Als kleiner Bonus darf der Hörer erfahren, wie sich „Anfang“ anhören würde (oder besser tut), wenn er noch knappe vier Minuten vor sich hin fließen darf. Ein reißender Strom, ein Wasserfall, der schillert und einfach nur schön ist. Ob melancholisch oder nicht steht ja erstmal gar nicht zur Debatte. Letzten Endes ist das Ende aber auch kein neues Lied, sondern wirklich nur der Ausklang, der etwas härter den Beginn nachahmt. Den kleinen Zusatz kann man getrost vergessen, da er das Gesamtbild kaputt macht. Ein abgedrehter Sound ist zwar schön, das Konzept leidet jedoch arg darunter. An der Endwertung ändert dieser Ausraster allerdings nichts. Karpatenhund halten ein hohes Level und haben in Sachen Indie-Rock der Marke Deutschland wieder vorgelegt.

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